Bewusstseinsversuche. Schreibweisen der Mind Control (Poe, James Pynchon) - Marcus Krause

Das Teilprojekt fragt nach der formalen Dimension einer experimentellen Schreibweise im Vergleich zur Pschologie des späten 19. und des 20. Jhs. Im Kontext psychiatrischer, psychologischer und psychoanalytischer 'Menschenversuche' entsteht ein genuines Textgenre zur Beobachtung des menschlichen Bewusstseins und des Unbewussten (wie z.B. der stream of consciousness). Dabei gilt es sowohl zu beobachten, wie Literatur Versuche der Mind Control zu beschreiben versucht, als auch wie die Literatur selbst versucht, Kontrolle über das Bewusstsein im eigenen Medium zu erlangen. Das Teilprojekt untersucht zunächst am Beispiel Edgar Allen Poes, wie bei diesen Beobachtungsversuchen psychischer Prozesse die Literatur zunächst eine Vorreiterrolle zukommt. Poe beeinflusst dabei auch die Brüder William und Henry James, deren Texte in einem zweiten Schritt exemplarisch für die Ausdifferenzierung des fraglichen Wissensfelds in eine experimentelle Literatur (z.B. Gertrud Stein) und eine zunehmend akademisch institutionalisierte Psychologie mit ihren behavioristischen Auswüchsen (Pavlov, Skinner) untersucht werden sollen. Das Werk Thomas Pynchons schließlich stellt den Versuch dar, den Verzweigungen dieses Ausdifferenzierungsprozesses von Wissenschaft und Literatur retrospektiv noch einmal eine gemeinsame Bühne zur Verfügung zu stellen, sie dabei aber auch in den zeitgenössischen Kontext der experimentellen Menschenwissenschaften der 1960er Jahre zu positionieren. Die auf sein ganzes Leben ausgedehnte experimentelle Beobachtung von Thyrone Slothrop in Gravity's Rainbow ruft das gesamte Experimentaldispositiv der Sozialpsychologie und die Praxis der Mind Control des CIA auf und zeigt dabei die Grenzen bzw. das historische Ende der im ersten literaturwissenschaftlichen Teilprojekt verfolgten literarischen Anthropologie des Menschenversuchs auf. Die Untersuchung wird dabei zeigen, wie das Komplementärphänomen zu Menschenversuchen, die Paranoia, in der Nachkriegsliteratur kulturell überformt wird, bevor sie in die Populärkultur der 1980er Jahre diffundiert, von wo sie wieder auf dieselben Ängste und Erfahrungen zurückwirkt.

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Marcus Krause