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14.-26.06.2021 - Internationales Forschungsatelier/Atelier de recherche international

Internationales Forschungsatelier zur Geschichte der deutschen und französischen Syntax "Produzenten- und rezipientenorientierte Syntax und Semantik in Texten des 8. bis 18. Jahrhunderts"

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Colloquim
Wann 14.06.2021 00:00 bis
26.06.2021 00:00
Wo Zoom/digital
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Vom 24.-26. Juni 2021 (vormals 12.-14. November 2020) findet das Internationale Forschungsatelier zur Geschichte der deutschen und französischen Syntax "Produzenten- und rezipientenorientierte Syntax und Semantik in Texten des 8. bis 18. Jahrhunderts" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn statt. / L'Atelier de recherche international dans l’histoire des langues allemande et française du VIIIe au XVIIIe s. "Syntaxe et sémantique de la relation émetteur-récepteur dans les textes du VIIIe au XVIIIe s." aura lieu du 24 au 26 juin 2021 (précédemment 12 au 14 novembre 2020) à l’université rhénane Frédéric-Guillaume de Bonn.  

 

 

Das Forschungsatelier hat das Ziel, das Verhältnis von Produzenten und Rezipienten zu Texten und in Texten auf syntaktisch-semantischer Ebene in älteren Sprachstufen in seiner ganzen Breite vorzustel­len, und zwar sowohl aus synchroner wie aus diachroner Perspektive. Mit Emile Benveniste (1970: 16) lässt sich dieses Spiel bzw. Wechsel­spiel zwischen Produzent(en) und Rezipient(en), ob real oder imaginiert, individuell oder kollek­tiv, mit dem Terminus énonciation erfassen. Dabei können sowohl ‚dialogale‘ Texte – echte Dialoge – wie auch ‚dialogische‘ Texte im Fokus der einzelnen Vorträge stehen, also Texte, deren Rezipienten abwesend bzw. noch nicht bekannt sind, aber vom Produzenten voraus­gesetzt werden (vgl. Amossy 2013). Während es bei ‚Dialogalem‘ um das explizierte Zusammen­spiel zwischen Produzent und Rezi­pient geht, um Agieren und Reagieren, geht es bei ‚Dialogi­schem‘ um das Identifizieren und kritische Beur­teilen von syntaktisch-semanti­schen Strukturen, mit denen Textproduzenten Rezi­pienten­hal­tungen antizipieren und schon prospektiv auf Erwartung(shaltung)en reagieren, die Rezipien­ten an einen Text stellen könnten. Damit wird in den Text hineingeschrieben, was Rezipienten darin zu finden hoffen/meinen (vgl. Ernst 2016). Behandelt werden sollen auf diese Weise die sprachlichen Zeichen, die die Anwesenheit/ Subjektivität des Sprechers und des (wirklichen oder imaginier­ten) Rezipienten zum Ausdruck bringen, sowie diejenigen, die das Spiel/Verhältnis zwischen Sprecher und Rezipient veranschaulichen/mani­festieren und die Beziehungsgestaltung an­schau­lich machen (vgl. z. B. Schuster 2015), also etwa Personalpronomen, Tempus, Deixis, Mo­da­lität, Anreden, Rezipientenbezeichnungen und Produzentenkommentare. Damit rücken auch die Strategien der Rezipientenlenkung so­wie die Antizipation der Rezeption durch den Pro­duzenten in den Fokus: Wie verfährt der Pro­duzent, um die referentielle Interpretation des Geäußerten vorzubereiten? Hierbei spielt auch die meta­sprachliche Rezeptionssicherung eine Rolle.

Die Beiträge befassen sich aus synchroner wie diachroner Perspektive mit unterschiedlichen Textsorten aus dem Zeitraum vom Ahd. bis zum Nhd. Neben fiktionalen Texten wie Heldendichtung und höfischem Versroman werden geistliche Texte, Spiegelliteratur, medizinische Abhandlungen, Briefe, Fach- und Gebrauchsschriften, Sprachlehrwerke und journalistische Texte sowohl einzelsprachig als auch kontrastiv untersucht. Die Schwerpunkte beziehen dabei alle Ebenen des Sprachsystems sowie theoretische Überlegungen mit ein. Es geht darum zu untersuchen, inwieweit das Spiel zwischen Sender und Empfänger je nach Textfunktion und Art des Publikum unterschiedliche Formen aufweist.

Im Zusammenspiel von Syntax und Semantik bzw. Pragmatik werden syntaktische, aber auch morphosyntaktische Strukturen beispielsweise unter folgenden Aspekten, auch sprachver­glei­chend, untersucht:

- sprachliche Routinen, Formeln und Wen­dungen
- Relation zwischen Entwürfen und finalen Texten
- Sicherung von Inhalten durch Antizipation der Rezeption
- Anredeformen, Namen und Bezeichnungen von Produzent(en) und Rezipient(en)
- Argumentationsstrukturen
- Beziehungsgestaltung zwischen Produzent(en) und Rezipient(en)
- metasprachliche Äußerungen
- Polyphonie
- Sprache und Emotion

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Bibliographie
Amossy, Ruth (2013): L’argumentation dans le discours, Paris.
Benveniste, Emile (1970): Lʼappareil formel de l'énonciation. In: Langages 5/17: Lʼénoncia­tion, 12–18. (https://www.persee.fr/doc/ lgge_ 0458- 726x_1970_num_5_17_2572, 11.03.2020).
Ernst, Peter (2016): Einleitung. In: Ernst, Peter/Wer­ner, Martina (Hgg.): Linguistische Pragmatik in historischen Bezügen (Lingua Historica Germa­nica 9). Berlin, 9–16.
Schuster, Britt-Marie (2015): Einfachheit, Wieder­holung und Kontrast: Zur Konstanz sprachlicher Verfahren in der persuasiven Kommunikation. In: Schuster, Britt-Marie/Dogaru, Dana (Hgg.): Wirk­same Rede im Frühneuhochdeutschen: Syntak­tische und textstilistische Aspekte. Hildesheim/Zü­rich/New York, 83–108.

Bildquelle
Thomasin von Zerclaere: Der welsche Gast - Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 389 (https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg389/0032)

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