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19.07.2018 - Taehwan Kim (Seoul) "Zur Kultur des Erzählens. Für eine interkulturelle Narratologie"

Vortrag im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft Bonn-Seoul-Tokio

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Vortrag
Wann 19.07.2018
von 16:00 bis 18:00
Wo Bibliotheks- und Arbeitsraum IV
Termin übernehmen vCal
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 Das Erzählen steht immer im Spannungsfeld zwischen
Natur und Kultur. Die Neigung, etwas zu erzählen und sich etwas erzählen zu
lassen, gehört zur menschlichen Natur. Welche konkreten Formen diese Neigung
annimmt, hängt aber sehr davon ab, in welchem kulturellen Umfeld sie sich
realisiert. Erzählende Gattungen, die aus natürlicher Neigung des Menschen
(Lust am Erzählen und an der Unterhaltung) entstehen, sich vom unmittelbaren
kommunikativen Zweck befreien und darum zur Phantasie und Fiktion tendieren,
brauchen in vielen hohen Kulturen Legitimation, um sich zu bedeutenden
Kulturformen zu entwickeln. Sonst werden sie bloß als geringschätzige oder
gar lügenhafte Unterhaltungskunst abgetan. Eine ganz besondere Rolle bei
der Legitimation des Erzählens spielt die Religion, deren Mythologie der Ort
ist, wo sich die narrative Phantasie als religiöse Wahrheit entfalten
kann. Es ist daher kein Wunder, dass in der abendländischen Tradition die
griechische und die christliche Mythologie den fruchtbaren Nährboden für
kulturell bedeutsame Erzählliteratur wie Epen und Dramen bildet. Diese
Überlegungen eröffnen eine Perspektive der interkulturellen Narratologie, die
folgende Fragen stellen: Welche Rolle spielt die dominante Religion oder
Ideologie in einem bestimmten Kulturraum für die Entwicklung der narrativen

Gattungen? Wie unterschiedlich sieht die Legitimation des Erzählens in
verschiedenen Kulturen aus? Was passiert, etwa wenn eine konfuzianistisch
geprägte Erzähltradition dem europäischen Roman begegnet?

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