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24.05.2022 - Bettina Bildhauer (St Andrews): "Vergewaltigung oder Verleumdung? Sexuelle Gewalt und unzuverlässige Erzählende in der globalen vormodernen Erzähltradition der Sieben Weisen von Rom"

Gastvortrag

Kurzübersicht
Art des Termins
    Wann 24.05.2022
    von 18:15 bis 19:30
    Wo Bibliotheksraum der Skandinavistik
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    Am 24.05.22 wird Bettina Bildhauer (St Andrews) um 18 Uhr c.t. im Bibliotheksraum der Skandinavistik einen Vortrag mit dem Titel "Vergewaltigung oder Verleumdung? Sexuelle Gewalt und unzuverlässige Erzählende in der globalen vormodernen Erzähltradition der Sieben Weisen von Rom" halten, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

    Im Abstract zum Vortrag heißt es: "Die Sieben Weisen von Rom ist die wichtigste vormoderne Erzählung, von der Sie noch nie gehört haben, und dreht sich um einen Vorwurf sexueller Gewalt, der von einer Frau gegen einen Mann verübt wird. Dieser Erzählzyklus ist „einer der erfolgreichsten Stoffe der Weltliteratur“ (Roth 2008), der von Chaucer, Boccaccio, Dante, Shakespeare und in 1001 Nacht adaptiert wurde. Insgesamt sind mindestens 40 Versionen in 30 Sprachen von Armenisch bis Jiddisch aus dem vormodernen westlichen Asien und Europa erhalten (Lundt 2002), die vielleicht gerade wegen dieser Materialfülle fast unerforscht geblieben sind. In der verstörend frauenfeindlichen Rahmenerzählung geht es um einen Vorwurf der versuchten Vergewaltigung, den die Partnerin eines Königs gegen einen Sohn des Königs erhebt. Die heterodiegetische Erzählstimme teilt uns jedoch mit, dass die sexuelle Gewalt
    in Wirklichkeit genau umgekehrt von der Königin ausging, die vergeblich versucht hatte, ihren Stiefsohn zu verführen. Während die Forschung dies bisher nie hinterfragt hat, wird dieser Vortrag in einer deutschsprachigen Version aus dem 15. Jahrhundert (Sieben weise Meister, hg. Roth 2002) und einer lateinischen aus dem 12. Jahrhundert (Johannes de Alta Silva, Dolopathos) zeigen, dass die Erzählstimme als unzuverlässig oder voreingenommen identifiziert und damit die Stimme der Königin ernst genommen werden kann. Dabei geht es weder in den Sieben weisen Meistern noch in diesem Vortrag darum, ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat oder nicht, sondern darum, wie schwierig es ist, dies zu beweisen."

     

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