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Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Konstanz): Ideologie im Vollzug. Über Hitlers »Mein Kampf«

Vortrag im Rahmen des Bonner literatur- und kulturwissenschaftlichen Kolloquiums (abweichend von den übrigen Vorträgen in Hörsaal IV!)

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Vortrag
Wann 19.05.2014
von 16:00 bis 18:00
Wo Universitätshauptgebäude, Hörsaal IV
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Der Vortrag befasst sich mit den Eingangskapiteln von Mein Kampf. Er soll zeigen, dass Hitler auf zwei Ebenen kommuniziert. Uneingeweihten Lesern führt er seine „Wand­lung zum Antisemiten“ als Konversionskrise und damit als eine Angelegenheit innerlichster Überzeugung vor Augen – eingebettet in ein autobiographisches Narrativ, das Züge eines Bildungsromans trägt. Der Parteielite jedoch, mit der er sich über die Köpfe der ihrem Charakter nach weiblichen, mit geringer „Aufnahmefähigkeit“ ausgestatteten Masse hinweg ins Benehmen setzt, macht er ein ganz anderes semantisches Angebot: Er zieht sie in ein exklusives Einverständnis unter Männern hinein, dessen besonderer Reiz darin besteht, gleichsam hinter die Kulissen des Herrschaftswissens zu treten und mit dem Privileg des Insiders den Prozess der schöpferischen Verfertigung einer Ideologie mitzuverfolgen.
Hitlers Text kultiviert diesen Reiz allerdings weder mit dem Augenzwinkern des Ironikers noch mit dem zynischen Halblachen dessen, der seinen eigenen Lügen nicht glaubt, son­dern mit der finsteren Härte des Dezisionisten. Es ist weniger ein blinder Fanatismus als die Lust am Macht­wort, an der Hit­ler den inneren Kreis seiner Parteigänger teilhaben lässt: an einer performativen Ermächtigung, die sich zwar aller herkömmlichen Legitimationsmittel, soweit verfügbar, bedient, aber ihre heimlichste und tiefste Freude an der gewaltbewehrten Grundlosigkeit der eigenen Rede hat.


 

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