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Wer darf einen Roman fortsetzen? Theoretische Überlegungen zur Fiktionalität

Gastvortrag von Prof. Taehwan Kim (Seoul National University) im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Vortrag
Wann 08.07.2014
von 16:00 bis 18:00
Wo Übungungsraum im 3.OG
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In diesem Vortrag soll gezeigt werden, dass Fiktion nicht unbedingt im Gegensatz zur Wirklichkeit, also als Nicht-Wirklichkeit definiert werden muss, weil eine fiktionale Welt nicht nur durch die Fiktionalisierung der Wirklichkeit, sondern auch durch die einer anderen fiktionalen Welt zustandekommen kann. Man kann von „Fiktionalisierung der Fiktion“ sprechen, wenn jemand z. B. einen Roman schreibt, der sich anscheinend an die von einem anderen Autor konstruierte Welt anschließt. Während Goethe mit den Wanderjahren einfach seinen eigenen Wilhelm-Meister-Roman fortsetzt, so dass angenommen werden kann, dass eine und dieselbe Welt den Hintergrund beider Wilhelm-Meister-Romane bildet, läßt sich Homers Epos kaum mit Goethes Faust zusammenschließen, obwohl in dem letzteren Werk das spätere Leben von Helena erzählt wird. Bei Helena als Gattin des mittelalterlichen Doktors geht es lediglich um eine Fiktionalisierung der mythisch-fiktiven Figur. Aus diesen Überlegungen ergeben sich mindestens zwei Fragen: 1. Was bedeutet eigentlich der Begriff „Fiktion“, wenn er nicht einfach als Nicht-Wirklichkeit zu verstehen ist? 2. Warum kann ein Roman nur von seinem Autor selbst fortgesetzt werden? Ist es überhaupt nicht möglich, ein fremdes Werk fortzusetzen? Wenn dies doch möglich wäre, unter welchen Bedingungen? Ich werde diesen Fragen nachgehen, und dabei ein Modell der Fiktionalität an Hand von konkreten Beispielen wie Don Quixote illustrieren.
 

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