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Bereich 1: Form als Dynamik und Prozess

Die große Tradition der Ästhetik hat den Formbegriff lange Zeit aus der substantiellen Verbindung von Substanz bzw. Materie/Stoff (hyle) und Form (morphe, eidos) verstanden, so dass – zumindest nach aristotelischem Verständnis – aus etwas, der Materie, durch etwas, der Form, ein Gegenstand hervorgebracht wird. Noch in dieser hylemorphen Tradition verankert ist auch der spätere Dualismus von Form und Inhalt, der spätestens mit Kants ›formalistischer‹ Ästhetik aufbricht und die weitere Reflexionsgeschichte des Formbegriffs in ein wechselvolles Widerspiel zwischen inhaltsorientierten und formalistischen Positionen verstrickt.

Ein gemeinsamer Ausgangspunkt einzelner Bonner Arbeitsinitiativen ist demgegenüber das Interesse an der seit dem 18. Jahrhundert beobachtbaren Dynamisierung und funktionalen Betrachtung der Form. Um 1900 gewinnt diese im 18. Jahrhundert begonnene Tradition des Formdenkens erneut an Relevanz und Aktualität unter veränderten medialen, auch naturwissenschaftlichen Bedingungen. In dieser Tradition kann man auch noch die Systemtheorie verorten. Gegenwärtig werden Formprobleme von jenen produzierenden Momenten her gedacht, die als eigengewichtiges ›Dazwischen‹ bzw. als ein (logisch gesehen) ›Drittes‹ Formung und Ent-Formung, Nicht-Form oder auch Un-Form dynamisch aneinander vermitteln. Das synchrone Nebeneinander variabler dialogischer Formen sowie das diachrone Nacheinander, die Um-formung derselben bedingt durch neue Kultur(en), bildet einen Schwerpunkt linguistischer Forschungsinteressen. Die sogenannte Internetkultur mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen wird hierbei als Fortschreibung traditioneller Kommunikationsformen gesehen.

19.09.2011 16:32
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