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03.02.2022: Petra McGillen: Schneller, als die Zeit erlaubt – Praktiken des “predictive journalism” im späten 19. Jahrhundert

Eine Veranstaltung des DFG-GRK 2291 Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Vortrag
Wann 03.02.2022
von 18:15 bis 19:45
Name Marlen Arnolds
Contact Email
Kontakttelefon 0228/73-3808
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Zeitungsjournalismus ist, wie der Begriff schon sagt, durch ein bestimmtes Verhältnis des Schreibens zur Zeit gekennzeichnet. Typischerweise wird dieses Verhältnis so gedacht, dass das Schreiben versucht, der Zeit möglichst dicht auf den Fersen zu sein – Ereignisse geschehen und werden unter dem Imperativ der Aktualität berichtet. Das Zusammenspiel verschiedener Medientechnologien im mittleren und späteren 19. Jahrhundert lässt das Verhältnis aber weitaus komplexer werden und stellt die Berichterstattung vor große Herausforderungen. Aus der einen Zeit werden die vielen Zeiten des Journalismus: Mit der Einführung der Telegraphie etwa können zwar Wörter binnen Stunden um den Globus reisen, Illustrationen hingegen müssen nach wie vor als materielle Objekte versendet und aufwendig reproduziert werden, bevor sie in der nächsten Ausgabe gedruckt erscheinen können. Und auch ein noch so zügig durchtelegraphierter Bericht kann es nicht mehr ins Blatt schaffen, wenn das zu berichtende Ereignis zu knapp vor dem Redaktionsschluss und dem Anlaufen der Druckmaschinen liegt.

Im Zentrum des Vortrags sollen die Praktiken und ästhetischen Strategien stehen, die Journalist*innen in dieser medienhistorischen Situation entwickelten, um auf die Vervielfältigung der Zeiten im modernen redaktionellen Produktionsprozess zu reagieren. Unter den Praktiken stechen insbesondere das sogenannte „predictive drawing“ und „predictive reporting“ heraus. Darunter war zu verstehen, dass Illustrationen angefertigt und Berichte verfasst wurden, bevor die dazugehörigen Ereignisse überhaupt stattgefunden hatten. Dahinter stand der Versuch, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Wort, Bild und Druckerpresse so weit wie möglich zu synchronisieren. Anhand ausgewählter Fallbeispiele aus der deutschen, englischen und amerikanischen Zeitungslandschaft des späteren 19. Jahrhunderts geht der Vortrag der Frage nach, was geschieht, wenn die Berichterstattung in Wort und Bild versucht, der Zeit vorauszulaufen.

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