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Tagung: Weltanschauung und Textproduktion

 

Interdisziplinäre und Internationale Tagung

Weltanschauung und Textproduktion

Formgebung - Narrative - Verbreitung

 

Tagung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
1.–3. März 2018
Organisation: Anna S. Brasch und Christian Meierhofer

Ort: Senatssaal (Hauptgebäude)

Gefördert von der DFG, der Universitätsgesellschaft Bonn und dem Strukturierten Promotionsprogramm der Germanistik, Universität Bonn
 

Link: Ausführlicher Call for Papers

Link: Programm

Weltanschauungen haben in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Konjunktur. Als philosophische und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf die entstehenden Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was Hermann Lotze zeitgenössisch schlicht „Zersetzung“ nennt. So umfangreich in den letzten Jahren diese einzelnen, auch populären Anschauungskonzepte vonseiten der Philosophie und der Wissenschaftsgeschichte inhaltlich aufgearbeitet worden sind (Daum 1998; Bayertz/Gerhard/Jaeschke 2007), so sehr fehlt es an einer literaturwissenschaftlich komplementären Auseinandersetzung mit der Textproduktion von Weltanschauung und an einer historisch-systematischen Beschäftigung mit ihrer literarischen und publizistischen Formgebung. Die Arbeiten von Horst Thomé (2002, 2003, 2004) zum Texttypus der ‚Weltanschauungsliteratur‘ liefern hierzu einen ersten, wichtigen Anknüpfungspunkt.
Vor diesem Hintergrund problematisiert die geplante Tagung das Verhältnis zwischen Weltanschauungen als intellektuelle, philosophische, (populär)wissenschaftliche und gesellschaftskritische Diskursangebote einerseits und den Niederschlägen andererseits, die sie in der literarischen und publizistischen Textproduktion von Einzelautoren oder von Gruppen – man denke an die zahlreichen Weltanschauungsvereine und ihre Verbreitungsorgane – zustande bringen. Hierzu lassen sich vier Arbeitsfelder abstecken, die füreinander durchlässig sind und das Beziehungsverhältnis von Weltanschauung und Textproduktion interdisziplinär und multiperspektivisch erhellen sollen:
- Diskurs- und konzeptgeschichtliche Voraussetzungen: Anknüpfend an Thomés erste Vorschläge ist zunächst noch einmal nach den diskursgeschichtlichen Voraussetzungen von Weltanschauung zu fragen, unter denen eine literarische und eine weiter gefasste publizistische Textproduktion vonstattengehen können.
- Formgebung: Ein zweites Feld widmet sich dem Typus von ‚Weltanschauungsliteratur‘ nicht nur in einem weiteren, populärphilosophischen oder populärwissenschaftlichen, sondern in einem engeren Sinn. Hier rückt insbesondere die Formgebung von Texten, also Strukturleistungen, narrative Verfahren und Wirkungsabsichten in den Fokus, wie sie sich spätestens ab den 1890er Jahren entwickeln. So ist noch offen, inwieweit die literarische Ausprägung von Weltanschauung allein auf die Prosa oder den Roman – der sogenannte Heimatkunstroman etwa ist vom Weltanschauungsdiskurs und seinen Deutungsmustern her zu begreifen – begrenzt ist. Gibt es demgegenüber auch ein ‚Weltanschauungsdrama‘ oder ‚Weltanschauungslyrik‘?
- Publikationsorte und Verbreitungswege: Drittens wird auch und gerade die Frage nach den Publikationsorten und Verbreitungswegen aufgeworfen, über die sich der Weltanschauungsdiskurs Geltung verschafft. So ist etwa einer der Gründe, dass die Literatur der Lebensreform (Carstensen/Schmid 2016) von der Germanistik bislang kaum beachtet wurde, eine veränderte Publikationspraxis, die auch periodische Angebotsformen umgreift. Zu untersuchen ist, wie die narrative Struktur der Texte durch die Form der Publikation determiniert wird.
- Reichweite und Schließung: Das vierte Aufgabenfeld beschäftigt sich mit der historischen Reichweite und der Schließung des Weltanschauungsdiskurses. Hier geht es einerseits um die Frage, in welcher Art Weltanschauungskonzepte zunächst mit den ‚Ideen von 1914‘ verbunden sind, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine neuerliche Transformation erfahren und dann den Sinngebungsverlust aus der deutschen Niederlage auffangen sollen. Andererseits ist zu klären, inwieweit die kulturellen „Deutungskämpfe“ (Honold 2015), die speziell in den großen Romanprojekten des 20. Jahrhunderts, bei Th. Mann, Musil, Döblin oder Broch, zu beobachten sind, den ‚Kampf der Weltanschauungen‘ (Haeckel) mit literarischen Mitteln fortsetzen.

Die Tagung möchte Vertreter/innen aus Literatur- und Medienwissenschaft sowie aus Wissenschafts- und Pressegeschichte zu einer interdisziplinären Diskussion zusammenführen. Beiträge zur Erschließung des Weltanschauungsdiskurses, zu einzelnen Gattungen und Text-sorten sind ebenso willkommen wie Fallstudien zur literarischen, publizistischen und populärwissenschaftlichen Produktion von Weltanschauung, zu einzelnen Autoren, Texten oder Textgruppen.

 

Der ausführliche Call for Papers ist hier bereitgestellt.
 

Das Tagungsprogramm ist hier begreitgestellt.
 

 

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