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Aktualität – zur Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge und zur Verzeitlichung der Gegenwart um 1800

Forschungsprojekt im DFG Schwerpunktprogramm „Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in einer polychronen Moderne (SSP 1688) Laufzeit 1.5.2014-30.4.2017 - Prof. Dr. Johannes Lehmann


Zusammenfassung

 

Das Verhältnis der Literatur zu ihrer jeweiligen Gegenwart ist historisch variabel. Während Heinrich Leopold Wagner 1776 vom tragischen Dichter fordert, das Drama so zu schreiben, dass man erkennen kann, „in welchem Jahr er sein Werk verfertigt hat“ (Mercier-Wagner 1776/1967, S.199/200) verstößt wenig später Friedrich Schiller den Dichter aus seiner Zeitgenossenschaft und bestimmt, dass der Dichter nie der „Zögling seiner Zeit“ sein dürfe. (Schiller 1795/1993, S. 593) Über die ästhetische Erziehung des Menschen.) Die Beziehung zwischen Literatur und ihrer jeweiligen Gegenwart unterliegt in mehrfacher Hinsicht historischen Transformationen, die in ihren vielfältigen Erscheinungsformen und Begründungsschichten Gegenstand des geplanten Forschungsprojektes sind. Ziel ist eine umfassende Erforschung der diskursiven Prozesse der Verzeitlichung von ‚Gegenwart‘ zwischen 1770 und 1835, ihrer Relevanz für eine Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge und ihrer theoretischen Reflexion.

 

Skizze des Projekts


Der heutige Zeitbegriff ‚Gegenwart‘ selbst ist eine historisch kontingente Konstruktion. Während zu den Begriffen ‚Vergangenheit‘ und ‚Zukunft‘ seit Jahrzehnten intensiv geforscht wird (klassisch: Koselleck 1979, Luhmann 1976 und Luhmann 1980, Hölscher 1999), ist der Begriff ‚Gegenwart‘ selbst, trotz vielfältiger philosophischer Bemühungen (Bergson, Husserl, Heidegger, Schmitz u.a., hierzu: Stepath 2006) in seiner Historizität bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Wenn etwa Albrecht Koschorke jüngst vorschlägt, Gegenwart nicht als Punkt auf einem Zeitstrahl, sondern als „Tauschplatz und Verhandlungsort“ zwischen Vergangenheit und Zukunft zu beschreiben (Koschorke 2012, S. 224), dann bleibt unberücksichtigt, dass eben dieser Begriff von ‚Gegenwart‘ ein historisch kontingentes Produkt der Zeit um 1800 ist. (Siehe zu den Belegen weiter unten). Entsprechend gibt es auch kaum literaturwissenschaftliche Forschung zur Geschichte der ‚Gegenwart‘ und zur Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge. Auf diese Tatsache wie auf das Fehlen einer Begriffsgeschichte der ‚Gegenwart‘ hat Ingrid Oesterle bereits in den 80er Jahren hingewiesen. An dieser Sachlage hat sich seither kaum etwas geändert. In dem Projekt soll dieses Desiderat behoben werden, indem der historische Transformationsprozess einer Verzeitlichung der Gegenwart seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bezogen wird auf die Frage nach der historisch variablen Beziehung zwischen Literatur und ihrer ‚Gegenwart‘, deren Reflexion die Literatur der ‚Moderne‘ seit 1770 (und ihre Programmatiken) als die Reflexion ihrer eigenen Zeitlichkeit seitdem unablässig begleitet.

Literaturwissenschaftlich hat sich vor allem Ingrid Oesterle mit der Frage der Verzeitlichung der Gegenwart um 1800 beschäftigt (Oesterle 1985 und Oesterle 2002). Sie stützt sich dabei auf die bekannten älteren Arbeiten von Reinhard Koselleck und Niklas Luhmann sowie auf einige neuere Forschungsbeiträge aus der Geschichtswissenschaft (Becker 1999) bzw. aus der Philosophie (Lübbe 1997).

Neben einigen älteren genuin literaturwissenschaftlichen Beiträgen zum Verhältnis von Literatur und Verzeitlichung der Gegenwart um 1800 (Utz 1990, Zelle 1997) gibt es neuerdings eine stark einsetzende Reflexion der Gegenwärtigkeit im Hinblick auf die sogenannte ‚Gegenwartsliteratur‘. Grundlegend ist hierfür das Buch von Eckhard Schumacher (Schumacher 2003). Aus der intensiven Beschäftigung mit Pop- und Gegenwartsliteratur (vgl. Arbeiten von Moritz Baßler, Nobert Eke, Markus Tillmann, Dirck Linck u.a.) ist in aller jüngster Zeit eine Art Boom des Themas entstanden, der sich in jüngster Zeit in folgenden Tagungen niedergeschlagen hat:

Nur selten aber führt diese Beschäftigung mit Poetologien der Gegenwart und der Gegenwartsliteratur zu theoretischen und historischen Reflexionen des Begriffs ‚Gegenwart‘ und seiner historischen Kontingenz (vgl. etwa Braun 2010). Gefangen in der Frage nach den Möglichkeiten, die zeitlichen Grenzen der Epoche „Gegenwartsliteratur“ zu bestimmen bzw. den Umgang mit nicht-kanonisierten Texten zu reflektieren (kritisch hierzu Eke 2012) oder ihre ästhetische Präsenz zu beschwören (Jahraus 2010), fehlt eine theoretische und historische Fundierung. Zurecht stellt Eke daher fest, dass die „Gegenwartsliteraturforschung nur geringe Neigung zu einer theoriegeleiteten Selbstreflexion“ (ebd., S. 33) aufweise und daher „als theoretische Problemstellung nicht eben im Fokus der Literaturwissenschaft“ stehe (ebd.). Es gibt zwar eine „Literaturtheorie der Gegenwart“ (Kimmich 2008), aber keine Theorie und erst recht keine Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge.

Zwar stellen die kulturwissenschaftlichen Selbstreflexionen und Theorien (vor allem zur Diskursanalyse, zum New Historicism, bzw. zur Konstellationsforschung) allgemeine Überlegungen zur Beziehung von ‚Literatur‘ zum jeweils aktuellen Kontext bereit, allerdings ohne dass der Aspekt dieser ‚Gegenwärtigkeit‘ dabei eigens ins Zentrum gerückt wird. Unberücksichtigt bleibt weitgehend, dass ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwärtigkeit‘ jeweils historisch sich verschiebende diskursiv erzeugte Begriffe darstellen, die selbst wiederum vor dem Hintergrund historisch variabler Zeiterfahrungen und -konzepte als diskursive Konstrukte analysiert werden müssen. Es geht also nicht um eine generelle Theorie der Bezüge der Literatur auf die Gegenwart, sondern darum zu fragen, wie jeweils – etwa um 1770, um 1795/1800 oder auch um 1806/1813 bzw. 1830 etc. – ‚Gegenwart‘ als Zeitbegriff konstruiert wird und wie sich hierzu dasjenige verhält, was jeweils als ‚die Literatur‘ konturiert wird.

Daher ist hier vor allem an die oben genannten Arbeiten von Ingrid Oesterle anzuschließen sowie an all die Forschungen zur Epoche um 1800, die mit Fragen der Zeitsemantik befasst sind (Wendorff 1980, Bohrer 1989, Frank 1990, Zelle 1997, Raulff 1999, Brüggemann 2009 und 2011) sowie mit Begriffen wie ‚Zeitgeist‘ (Brendecke 1999, Konersmann 2004) – der Begriff ‚Zeitgeist‘ ist ebenfalls eine Neubildung vom Ende des 18. Jahrhunderts und bildet zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachgerade eine eigene Gattung von Zeitdiagnostik, die im Rahmen des Projektes auszuwerten ist (zum Beispiel: Arndt 1807, Brandes 1810, Paulsen 1813 u.a.) – ‚Zeitroman‘ (Göttsche 2001) oder auch ‚Zeitgenossenschaft‘ (Demand 2008, Agamben 2010, aber auch schon Kleist 1809).

Ziele

Ziel des Projektes ist eine umfassende Erforschung der diskursiven Prozesse der Verzeitlichung von ‚Gegenwart‘ zwischen 1770 und 1835, ihrer Relevanz für eine Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge und ihrer theoretischen Grundlegung. Der begriffsgeschichtliche Befund ist ein noch weiter (auch über das Deutsche hinaus) zu erforschender Ausgangspunkt: Das Substantiv ‚Gegenwart‘ hat bis weit hinein ins 18. Jahrhunderts noch keinen zeitlichen Begriffsinhalt. ‚Gegenwart‘ wird gebraucht im Sinne von Anwesenheit, Präsenz, im selben Raum sein, mit dem eigenen Körper (bzw. der Seele) auf die präsente Umgebung wirken können: „Der Zustand, da man durch seine eigene Substanz ohne moralische Mittelursachen, ja ohne alle Werkzeuge an einem Orte wirken kann, die Anwesenheit“, so fasst Adelung die Bedeutung von ‚Gegenwart‘ zusammen (Adelung 1796/1970, Bd. 2, S. 488) Bei Zedler ist ‚Gegenwart‘ ein Begriff, der sich auf die räumliche Position endlicher und nicht-notwendiger Kreaturen bezieht: „Gegenwart; in so ferne sie von Creaturen gesagt wird, bestehet sie in derjenigen Relation, da eine Sache mit der andern so zugleich existiret, daß sie sich mit ihrem Wesen bey derselben entweder nahe oder nicht nahe befindet.“ (Zedler 1735/1994, Bd. 10, Sp. 594) Dahinter sind vor allem theologische Begriffstraditionen erkennbar, etwa die Gegenwart Christi in der Eucharistie oder die Allgegenwart Gottes[1], aber auch juristische Verwendungsweisen, wie etwa in der Formel von der „Gegenwart der Parteien“ (Götze 1939, Bd. 3, S. 58). Die Gegenüberstellung, ja Feindschaft, die hier impliziert ist, kommt auch im mittelhochdeutschen, männlichen Substantiv ‚Der Gegenwart‘ zum Ausdruck, was gleichbedeutend ist mit ‚Der Widerwart‘ bzw. der Gegner. (Grimm 1897, Bd. 4,1,2, Sp. 2281). Die Gegenwart des anderen, des Gegenübers ist hier nicht nur als Anwesenheit, sondern als wirksame Präsenz gedacht, wie in Formeln von der ‚Gegenwart des Richters‘, des Königs bzw. Gottes im jüngsten Gericht etc. (ebd., Sp. 2285).

Erst seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts finden sich Belege der Wortverwendung des Substantivs ‚Gegenwart‘, die mehr und mehr und dann sogar ausschließlich zeitlich konnotiert sind. Das Adjektiv ‚gegenwärtig‘ dagegen ist bereits seit Luther in zeitlicher Bedeutung belegt (Götze 1939, S. 58). Die Ausbildung eines abstrakten substantivischen Begriffs von Gegenwart impliziert ein spezifisches Reflexivwerden der Zeit, das mit dem spätestens bei Herder fassbaren Historismus unmittelbar zusammenhängt. Oder mit Niklas Luhmann formuliert: „Tiefer gesehen, ist der Historismus die Ermöglichung dieser Differenz von gegenwärtiger Vergangenheit und vergangenen Gegenwarten, wurzelt also im Reflexivwerden der Zeit selbst.“ (Luhmann 1976, S. 354) Zwischen gegenwärtiger Vergangenheit und vergangenen Gegenwarten unterscheiden zu können, ist tatsächlich die Grundlage für Herders historistische Argumentation und zugleich für die entsprechenden poetologischen Forderungen, die er daraus zieht (Von deutscher Art und Kunst). In der Romantik, vor allem in den Jahren unmittelbar nach der französischen Revolution, lässt sich der Begriffswandel dann auf breiter Front nachweisen (Oesterle 2002). Zugleich ist er tief verwoben mit politischen, philosophischen, wissenschaftlichen und ästhetischen Umbrüchen an der Schwelle zur Moderne.

Zu untersuchen ist sowohl die Relevanz dieser Verzeitlichung der ‚Gegenwart‘ für Poetologie und Praxis der Literatur wie die Rückkopplungen einer sich verzeitlichenden Literatur (und ihrer Programmatik) auf die Semantik der Zeitlichkeit selbst. Die Ausgangshypothese ist, dass literarische Gegenwartsbezüge seit 1770 zum unhintergehbaren Problembestand und zum selbstverständlichen Reflexionsniveau einer sich in ihrer Zeitlichkeit reflektierenden, ‚modernen‘ Literatur werden. Das kann zwischen programmatischer Forderung von Aktualität auf der einen und schroffer Ablehnung der Zeitgenossenschaft auf der anderen Seite verschiedenste Formen annehmen. Zugleich ist hier die Gegenprobe zu machen, d.h. nach literarischen Aktualitätsbezügen vor der Verzeitlichung zu fragen und zugleich nach den Medien der Vergegenwärtigung von rhetorischer Aktualität (Theater, Moralische Wochenschriften, Roman) und ihrer Transformation unter Bedingung der Verzeitlichung. (Hierzu wird ein eigener regionaler Workshop stattfinden; siehe 2.3. Arbeitsprogramm)

Die Tatsache, dass der Begriff ‚Gegenwart‘ erst Ende des 18. Jahrhunderts zeitliche Bedeutung gewinnt, ist nicht mit dem passe-partout einer funktionalen Ausdifferenzierung der Gesellschaft zu verstehen (zur Kritik an diesem systemtheoretischen Großerklärungsmodell siehe Bosse 2012, S. 332ff.), sondern aus der Medien- und Schriftreflexion der Aufklärung diskurshistorisch zu rekonstruieren. Denn vor allem anderen ist die Aufklärung im 18. Jahrhundert eine akademische Kulturrevolution, die, ausgehend von Thomasius‘ erster Vorlesung auf Deutsch, die Grenzen des Lateinischen und der Universität sprengt und als eine großangelegte „Mobilisierung der Ressourcen zur Verbesserung der Verhältnisse“ (Bosse) Autorschaft multipliziert. Das führt im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu einer Expansion auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt, die bereits hier kritisch reflektiert und mit einem programmatischen Durchgriff auf Wirklichkeit und Leben, auf Vorschriftliches beantwortet wird. Heinrich Bosse hat das den Aufstand gegen die Schulkultur genannt (Bosse 2012, S. 82ff.). Statt die Schriften der Alten, solle man lieber das Leben der Jetzigen studieren, heißt es bei Mercier/Wagner: „Nur die Pedanten, […] die Schulfüchse können ausrufen, es leben die Griechen!, es leben die Griechen! Der verständige Mann wird sagen: Seht eure Landsleute, oder schreibt nicht, ihr sollt nicht den Menschen überhaupt, den Menschen aus dem Zeitalter […] sollt ihr schildern.“ (Mercier-Wagner 1776/1967, S. 199) Nur so könne dem Drama ein „Karakter von Nützlichkeit für die Gegenwart“ (ebd.) eingeprägt werden. Das Schreiben beginnt nicht mehr beim Lesen der Schriften, sondern beim Leben: An die Stelle des gelehrten Schulfuchses tritt das Genie als Autodidakt: Shakespeare ist ein Genie, gerade weil er keine klassische Ausbildung genossen hatte: „Es ist mehr als eine blosse Vermuthung, daß es diesem kleinen Umstand, dem Mangel einer claßischen Erziehung, zuzuschreiben ist, dass wir einen Shakespear haben.“ (Wieland 1987, S. 560). Zwar hätte eine klassische Ausbildung, so Wieland weiter, „seinen Geist gebildet […], aber mit allen diesen Vortheilen würde er nicht mehr Shakespear gewesen seyn; nicht mehr der ursprüngliche Genie […].“ (Ebd.) In dem Maße, wie die Abwendung von den Büchern und den Buchstaben durch die Hinwendung zur Wirklichkeit ersetzt wird, wird diese Wirklichkeit zugleich zur jetzigen Gegenwart verzeitlicht. These ist, dass in der Aufklärung beim intensiven Nachdenken darüber, was und wieviel und worüber zu schreiben ist, sei es literarisch, sei es nicht-literarisch, die Welt als eine sich der Schrift entziehende, permanent wandelnde in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Diderots Satz: „Bedenken Sie, daß täglich neue Stände entstehen!“ (Diderot/Lessing 1986, S. 159), steht im Kontext der Etablierung einer neuen Form des Dramas, dessen Formgesetz im Dienst stofflicher Aktualität steht.

Um das Ziel einer umfassenden Beschreibung und Erklärung der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzenden Reflexion des permanenten Wandels zu erreichen, muss ein weiterer bisher kaum berücksichtigter Diskussionszusammenhang erschlossen werden: die diskursive Kopplung geistiger Fähigkeiten an die Energien des Körpers und dessen biologische Zeit. Erfunden wird um 1770 nicht nur ein zeitlicher Begriff von ‚Gegenwart, sondern zugleich der Begriff der ‚Jugend‘ als Lebensphase mit großer (geistiger) Energie, die aber zum Nachlassen verurteilt ist. Beleg hierfür ist nach Helvétius, dass „Greise nicht mehr zu jenen kühnen Unternehmen und erstaunlichen Leistungen des Geistes fähig sind, die für die Leidenschaften charakteristisch sind. Der Greis kann aus Gewohnheit den Weg weitegehen, den er sich in der Jugend gebahnt hat; doch könnte er keinen neuen einschlagen.“ (Helvétius 1973, S. 393) Vor diesem Hintergrund einer materialistischen Anthropologie (Diderot, Holbach, Helvétius u.a.) und ihrer Aufnahme in Deutschland bei Sulzer, Abel, Schiller, Goethe, Lenz, Herder u.a. (Bosse/Lehmann 2001, Lehmann 2005, Lehmann 2013a) ist zu zeigen, wie sich der seit Ende des 17. Jahrhunderts laufende Streit zwischen Alten und Neuen (siehe hierzu Kapitza 1981; Pago 1989) um 1770 zu einem Generationenstreit zwischen jung und alt wandelt, wie also die Querelle an der Schwelle zur Moderne biologisiert und somit biologisch verzeitlicht wird. Wenn Herder in seinem Journal meiner Reise über die „Jugend der Seele“ nachdenkt, die mit jedem Akt der Wiederholung an Energie einbüßt („O Greise, schwache Beschaffenheit der Seele!“, Herder 1769/1983, S. 151), dann wird ihm der Gegenwartsbezug zum Heilmittel und eine „Regel zur ewigen Jugend der Seele“, nämlich „immer die Gegenwart zu genießen“ (ebd., S. 152). Noch Schlegels Rede von der Gegenwart als einem „Zeitalter der Verjüngung“ (Schlegel 1800, S. 98) sowie die programmatische Selbstbezeichnung der Jungdeutschen, die sich gegen die klassisch-romantische Periode emphatisch auf ‚Gegenwart‘ berufen (Wülfing 1982, S. 152-159 und S. 168-173), folgt dieser biologischen Logik der Generationen.


Mit dieser Konturierung der Ausgangsfragestellung ordnet sich das Projekt vor allem der Sektion D „Chronie, Achronie, Metachronie“ des Schwerpunktprogramms „Ästhetische Eigenzeiten“ zu. Ziel der Sektion ist die Analyse der „Spannung zwischen zeitbasierten und zeitaufhebenden Darstellungsformen“ sowie der „Widerstreit von Verzeitlichungstendenzen auf der einen und Entzeitlichungs-tendenzen auf der anderen Seite.“ (Exposé des Schwerpunktprogramms) Dieser Widerstreit tritt aber – nach den entsprechenden Vorläufern in der Frühen Neuzeit und der Querelle des anciens et des modernes – erst um 1770 in eine qualitativ neue Phase (Gumbrecht 1975, S. 101), insofern Verzeit-lichungstendenzen sich hier erstmals derart verselbständigen, dass sie sich von ästhetischen Normfragen lösen und Wirklichkeitsreferenzen mit zeitlichem Index programmatisch an deren Stelle setzen.

Zugleich gibt es thematische Berührungspunkte mit Sektion B „Dargestellte Zeit, formatierte Zeit“. Es ist bisher kaum gesehen worden, dass die Medien der Vergegenwärtigung (des Anwesendmachens von Abwesendem), wie sie Kernbestand schon der antiken Rhetorik sind und bis weit hinein ins 18. Jahrhunderts hinein in Figuren von evidentia und hypotypose, enargeia und energeia tradiert werden (Campe 1997 und Campe 2007), in dem Moment in ihrem Funktionieren verkompliziert werden, in dem die ‚Gegenwart‘ einen genuin zeitlichen, auf ein gegenwärtiges Jetzt zielenden Sinn erhält. Wenn Novalis vom „Gegenwärtig machen des Nicht Gegenwärtigen spricht“ (Novalis 1999, Bd.2, S. 661), meint das nicht nur die alte rhetorische actualitas, sondern zugleich die zeitliche Aktualisierung des Nicht-Aktuellen. Und das heißt dann auch, dass die Vergegenwärtigung sich nicht nur auf das Ausgesagte bezieht, sondern zugleich reflexiv auf sich selbst: auf den Akt des Aussagens im Moment der Gegenwart. Rüdiger Campe hat dies für die Zeitlichkeit der Vergegenwärtigung des Diderotschen Tableaus gezeigt: „Die Aktualität des Tableaus dagegen bezieht sich auf die grammatischen Zeitstufen Vergangenheit und Zukunft und setzt ihnen die Aktualität des als relevant vergegenwärtigten Jetzt entgegen.“ (Campe 2007, S. 181) Dieser Befund ist allerdings über die bildliche Vergegenwärtigungsleistung des Tableaus hinaus auf die Vergegenwärtigung aktueller Umweltreferenzen auszudehnen: Das Diderotsche Theater mit seinen Tableaus und seiner Erfindung eines Zuschauers als unbeobachteter Beobachter (Lehmann 2000) öffnet sich der Darstellung einer sich permanent wandelnden aktuellen Gegenwart, die es wiederum zu beobachten gilt Entsprechend sind Merciers Tableau de Paris der Darstellung der „situation actuelle des esprits“ (Mercier (1782/1979, S. III) gewidmet.

Vor diesem Hintergrund einer sich täglich ändernden Welt[2], in der das Alte für das Heutige zunehmend irrelevant geworden ist, wird die Literatur um 1770 auf Jetzt- und Umweltbezug, auf Aktualität und gegenwärtige Realität verpflichtet. Bei Diderot sind es statt der antiken Stoffe die „Unglücksfälle, die uns umgeben“ (Diderot/Lessing 1986, S. 154), bei Lenz die „furchtbaren Geschichten […] so wie sie wirklich geschehen, und wie ich deren hundert weiß“ (Lenz 1987, S. 733) und bei Mercier soll man dem Drama anmerken könne, „in welchem Jahr es verfertiget ist“ (Mercier/Wagner 1776/1967, S. 199/200). Denn, so noch einmal Mercier: „Man hat die Alten studiert und hat wohl daran gethan; aber bey ihnen wird man keine detaillierte Kenntniß der jetzigen Menschen finden. Neue Generationen haben in diese moralische Existenz, in diesen Protheus, der, indem er entschlüpft alle Gestalten annimmt, große Veränderungen gebracht.“ (Ebd., S. 198/199) Herders Insistenz auf historischem Relativismus schärft und konturiert ebenfalls das Konzept einer nun nicht mehr räumlich, sondern zeitlich zu verstehenden, in permanentem Fluss befindlichen Gegenwart.

Eine Generation später und nach der Französischen Revolution wird diese Gegenwart auf breiterer Basis als verzeitlichte auf den Begriff gebracht. ‚Gegenwart‘ ist nun selbstverständliches Mittelglied in der Trias von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Es ist aber immer noch mit der alten, räumlich-präsentischen Bedeutung zu rechnen. Es ist daher im Einzelnen zu untersuchen (und die bestehende Forschung zum Teil zu korrigieren), wie die Bedeutungsverschiebung bzw. Überlagerung jeweils funktioniert.
Die zeitlich verstandene Gegenwart als Jetztzeit wird nach den revolutionären Veränderungen von 1789 seitens klassizistischer Programmatik denunziert als bloße Tagesaktualität und politischer Streit der Meinungen. Wo es um Kunst geht und ästhetische Erziehung, sei, so Friedrich Schiller in der Ankündigung zu den Horen, „das beschränkte Interesse der Gegenwart“ sowie der „jetzige[] Weltlauf“ (Schiller 1794/1993, S. 870) als Bezugsgröße auszuschließen. Im neunten Brief über ästhetischer Erziehung phantasiert Schiller, dass der Dichter, damit er nicht der Zögling seiner Zeit werde, unter fernem Himmel aufwächst und dann „in sein Jahrhundert zurück[kehrt]; aber nicht, um es mit seiner Erscheinung zu erfreuen, sondern furchtbar wie Agamemnons Sohn, um es zu reinigen.“ (Schiller 1795/1993, S. 593) An der Gegenwart als der Mutter der eigenen Zeit muss sich der Dichter als Sohn des überzeitlichen Vaters rächen. Während Schiller im Weiteren den Gegenwartsbezug der Literatur nach Stoff und Form differenziert – „den Stoff zwar wird er [der Dichter, J.L.] aus der Gegenwart nehmen, aber die Form von einer edleren Zeit, ja jenseits aller Zeit“ (ebd.), schließt Schiller für die Horen und auch für seine späteren Dramen auch den stofflichen Bezug auf Gegenwart gänzlich aus.

Die Romantiker, vor allem die Frühromantiker sind „die erste deutsche Literatengeneration, die in den Zeithorizontwechsel, den Begriffsgebrauchswandel und die von ihm indizierte Reflexivität von Gegenwart hineinwächst.“ (Oesterle 2002, S. 101). Die Modernität der Romantik zeigt sich daher in der Reflexion der unhintergehbaren, aber doch zu transzendierenden Gegenwärtigkeit: Einerseits kann man nicht nicht gegenwärtig sein: Fichte schreibt am Ende und in der Rückschau auf seine Resultate in Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters:

„War etwa unsere Ansicht der gegenwärtigen Zeit selbst nur eine Ansicht von dem Augpunkte dieser Zeit aus, und war während dieser Ansicht unser Auge selbst Produkt dieser Zeit, so zeugte das Zeitalter eben von sich selbst, welches Zeugniß durchaus verwerflich ist: und wir hätten, weit entfernt, den Sinn des Zeitalters zu erforschen, lediglich die Anzahl der Phänomene desselben, Um ein sehr entbehrliches, und zu nichts führendes, vermehrt. Ob wir uns nun in diesem Falle befinden, oder nicht, läßt sich nur dadurch entscheiden, daß wir Unser Untersuchen und Denken selbst wiederum denken: welches nicht anders möglich ist, als also, daß wir es zu einem Factum in der Zeit machen, und zwar in derjenigen Zeit in welche es fiel, in der gegenwärtigen.“ (Fichte 1806, S. 529)

Im Folgenden zeigt Fichte dann, dass sein Diskurs sehr wohl überzeitlich gewesen und sich über die gegenwärtige Zeit erhoben habe (ebd., S. 539ff). Andererseits aber ist Zeitgenossenschaft kein bloßes biologisches Faktum, sondern selbst eine geistige Qualität: Man kann seiner Zeit hinterher oder auch ihr voraus sein. Indem Gegenwart verzeitlicht wird, spaltet sie sich in eine temporale und eine emphatische Gegenwart. Als verzeitlichte Gegenwart bildet sie den Zeithorizont, in dem die gleichzeitig lebenden Generationen, in dem Alt und Neu um die Zukunft ringen. Es können, so schreibt Fichte, „verschiedene Zeitalter in einer und derselben chronologischen Zeit in mehreren Individuen sich durchkreuzen und nebeneinander fließen.“ (Ebd., S. 16) Die Gegenwart, so sagt es der Philosoph Karl Leonhard Reinhold, ist durch die Ungewissheit definiert, „ob das Alte durch das Neue oder dieses durch jenes endlich verdrängt werde.“ (Reinhold 1790, S. 228) Vor diesem Hintergrund wird auch der Gegenwartsbezug von Literatur und Kunst theoretisch zentral. Friedrich Schlegel schreibt in seiner Wiener Vorlesung: „Das wahre und richtige Verhältnis der Poesie zur Gegenwart und zur Vergangenheit zu bestimmen, ist eine Frage, welche die eigentlichen Tiefen und das eigentliche Wesen der Kunst betrifft.“ (Schlegel 1812/1961, S. 275)

Inwiefern die diskursive Verarbeitung der französischen Revolution und wenig später des Zusammenbruchs des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation als Erfahrung von Beschleunigung, Kontingenz, bannender Gegenwärtigkeit, Momentanismus (Bohrer) oder Führungswechsel der Zeithorizonte (Luhmann, Oesterle) gewirkt hat, ist im Hinblick auf die hier diskutierten und praktizierten Poetologien literarischer Gegenwartsbezüge zu untersuchen. Das allenthalben formulierte, sentimentalische Modernitätsbewusstsein artikuliert sich in Versuchen, der „gewöhnlichen Gegenwart“ und ihren Beschränkungen zu entkommen zugunsten einer „vollkommenen Gegenwart“, in der Zukunft und Vergangenheit zusammenfallen und aufgehoben sind: „Die gewöhnliche Gegenwart verknüpft Vergangenheit und Zukunft durch Beschränkung. Es entsteht Kontiguität, durch Erstarrung Krystallisazion. Es giebt aber eine geistige Gegenwart, die beyde durch Auflösung identifizirt, und diese Mischung ist das Element, die Atmosphäre des Dichters.“ (Novalis 1999, S. 283, Blüthenstaub 109) Immer nach Hause zu gehen heißt im Erfolgsfall auch, so Novalis in Heinrich von Ofterdingen, „weit außer der Gegenwart“ (Novalis 1999, S. 371) zu stehen. Gegenwartsreflexion kippt immer wieder um in Beschwörungsformeln der Ewigkeit. Die Poesie, so noch einmal Schlegels Vorlesung von 1812, „bewährt sich auf diese Weise, alle Zeiten, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereinend, als wahrhaft sinnliche Darstellung des Ewigen, oder der vollendeten Zeit.“ (Schlegel 1812, S. 277)

Im Jahr 1800 dagegen hatte Schlegel im Gespräch über die Poesie noch stärker das „jetzt“ und den Moment bzw. die Tendenz des gegenwärtigen Zeitalters betont, allerdings schon hier als Gegenwart einer zu ergreifenden Zukunft,

„zu der wir berufen sind. Seyd des Zeitalters würdig, und der Nebel wird von Euren Augen sinken; es wird helle vor Euch werden. Alles Denken ist ein Diviniren, aber der Mensch fängt erst eben an, sich seiner divinatorischen Kraft bewußt zu werden. Welche unermeßliche Erweiterung wird sie noch erfahren; und eben jetzt. Mich däucht, wer das Zeitalter, das heißt jenen großen Proceß allgemeiner Verjüngung, jene Principien der ewigen Revoluzzion verstünde, dem müßte es gelingen können, die Pole der Menschheit zu ergreifen und das Thun der ersten Menschen, wie den Charakter der goldenen Zeit die noch kommen wird, zu erkennen und zu wissen.“ (Schlegel 1800, S. 105)

In der romantischen Reflexion verzeitlichter Gegenwart steckt zugleich ihre Abwehr.

Das „eben jetzt“ (Schlegel 1800, S. 105), das in der Zeitdiagnostik Schlegels eine so prominente Rolle spielt, sowie die Forderung an die Zeitgenossen, in der Gegenwart bereits die Spuren des Kommenden zu erkennen und dieses Kommende herbeizuführen oder zu verhindern, dieses „jetzt“ als Zeit der Gegenwart als einer Entscheidung über die Zukunft, kehrt – in katastrophischer Verkehrung – wörtlich und strukturell bei Heinrich von Kleist wieder. „Eben jetzt“, so sagt es Josephe in Das Erdbeben in Chili, habe sie den Drang, ihr Antlitz vor dem Schöpfer in den Staub zu legen (Kleist 1987-1997, Bd. 3, S. 211). Die Unmöglichkeit, den gegenwärtigen Augenblick zu transzendieren, wird ihr das Leben kosten. Und der gesamte Text, wie auch viele andere Texte Kleists, überführt die Reflexion des Jetzt als Zone der Entscheidung in seine narrative Struktur selbst (Lehmann 2013b). Kleists besonderer Bezug auf Gegenwart und Gegenwärtigkeit liegt dabei nicht allein darin, dass er sich etwa mit seiner Hermannsschlacht in den aktuellen „Strom der Begebenheit“ geworfen und sein Stück auf „diesen Augenblick berechnet“ (Kleist 1987-1997, Bd. 4, S. 432) hat und auch nicht nur darin, dass er im Prinz Friedrich von Homburg und in vielen Anekdoten die Frage der Momentanität der Handlung auf dem Schlachtfeld diskutiert hat, sondern vielmehr darauf, dass Kleist die Abgründe momentaner Gegenwärtigkeit, als Zone eines Kampfes um Zukünftigkeit, d.h. um Leben und Tod, radikal aufreißt. Sowohl thematisch wie stilistisch gestaltet Kleist jene Erfahrung seiner Zeit und jene Zeiterfahrung, die Ingrid Oesterle als Zeitzersprengung, Beschleunigung und Punktualisierung der Zeit beschrieben und als Konsequenz der Verzeitlichung der Gegenwart um 1800 gedeutet hat. Kleist tut das, indem er Handlungssequenzen oder auch, man denke an Mirabeaus Donnerkeil, Reden, in Zehntelsekunden zerlegt und so Gegenwart gleichsam in Zeitlupe als Medium der Entscheidung erfahrbar macht, indem in Bruchteilen von Sekunden über Leben und Tod entschieden wird. Vor diesem Hintergrund erscheint Kleist mit seinen Narrativen der Rettung als Kehrseite der Romantiker, die Gegenwärtigkeit in Bildern von Erstarrung und Kristallisation beschreiben (Novalis) und ihre Aufhebung, ja die Erlösung von Zeit überhaupt betreiben.

Giorgio Agamben formuliert in seinem Text „Was ist Zeitgenossenschaft?“ den Gedanken, dass die Gegenwart nichts anderes sei, „als der ungelebte Teil jeden Erlebens.“ (Agamben 2010, S. 33). Ungelebt sei die Gegenwart, da jedes Erleben gleichsam überlagert sei vom (traumatisch) Vergangenen, vom Archaischen, das sich wie ein Filter vor die Wahrnehmung und das Erleben der Gegenwart lege. Eine solche Theorie, die „die Aufmerksamkeit auf dieses Nicht-Erlebte“ (ebd.) zum Kern wahrer Zeitgenossenschaft erklärt, setzt das Reflexivwerden des reflexiven Gegenwartsbewusstseins selbst voraus. Historisch lässt sich dies etwa an Heinrich Heines Blick auf die Revolutionen seiner Gegenwart belegen, die ihm wie später auch Karl Marx, als bloße Wiederholung der großen Revolution von 1789 erscheint, wenn auch nicht, wie Marx als „Farce“, sondern als „Plagiarien der Vergangenheit“ (Heine 1832/1971, S. 126). Heine reflektiert seinen Blick auf die Gegenwart als von der Vergangenheit vorstrukturiert und er formuliert, wie ähnlich auch Börne, Gutzkow, Laube, Mundt u.a. – unter Rekurs auf den Begriff des Lebens und des Lebensrechtes – dagegen eine Bejahung, ja Verteidigung der Gegenwart (vgl. Wülfing 1982, S 152-59). Die mediengeschichtliche Nähe zwischen Journalismus und Literatur im Hinblick auf Aktualität (wie sie bereits im Sturm und Drang, etwa bei Schubart fassbar ist) führt den jungen Gutzkow dann auch zur Forderung, „die Literatur als von den Momenten der Gegenwart nicht getrennt vorzustellen.“ (zit.n. Wülfing 1982, S. 153) Und Heine gilt als der „Meister“ solcher literarischer Gegenwärtigkeit: „In dieser Hingabe an die Gegenwart und im Geltendmachen ihres Lebensrechtes besteht für Heine alle wirkliche Revolution.“ (ebd., S. 154)

Michel Foucault hat in einem kleinen Text zur Frage „Was ist Aufklärung?“ vorgeschlagen, Moderne nicht als Epoche, sondern als Haltung zur Gegenwart zu definieren, als Ethos, nämlich als eine bestimmte „Form der Beziehung zur Aktualität“ (un mode de relation à l’égard de l’actualité) bzw. als eine „ironische Heroisierung der Gegenwart“ (Foucault 1990, S. 42 und S. 45) Foucault führt als Kronzeugen hierfür allerdings nicht Heine, Gutzkow oder Börne an, sondern Baudelaire. Die Haltung oder auch das Ethos der Moderne besteht letztlich darin, in die Gegenwart wahrnehmend und handelnd eine Unterscheidung einzuführen, die das Gegenwärtige in all seiner Flüchtigkeit bejaht und erkennt, was die Gegenwart ist, indem sie sie zugleich überschreitet im Hinblick auf das, was sie sein könnte. In den Worten Foucaults: „Für die Haltung der Moderne ist der hohe Wert der Gegenwart nicht von der verzweifelten Anstrengung zu trennen sie sich vorzustellen, sie sich anders vorzustellen, als sie ist und sie zu transformieren, nicht durch Zerstörung, sondern durch ein erfassen dessen, was sie ist.“ (Ebd., S. 44) Diese Haltung ist ein Effekt einer „reflexiven Beziehung zur Gegenwart“ (ebd., S. 47) und beginnt nach Foucault bereits Ende des 18. Jahrhunderts, wie Foucault an eben jenem Text Kants zeigt, der auch dem Aufsatz Foucaults den Titel gibt. Die Erforschung dieser reflexiven Beziehung zur Gegenwart und ihrer Transformationen ist Ziel des beantragten Vorhabens.

Zu den Zielen des Projekts gehört neben der vergleichenden begriffsgeschichtlichen Erforschung der Verzeitlichung der Gegenwart und neben der Erkundung der programmatischen und theoretischen Aussagen zum Verhältnis der Literatur zur Zeit und zu ihrer Zeitlichkeit die Analyse der Mittel und der Funktionen literarischer Gegenwartsbezüge zwischen 1770 und 1835. Mit anderen Worten soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Reflexion der Zeitlichkeit der eigenen Gegenwart poetologisch und literarisch auswirkt. Dabei ist die Hypothese leitend, dass sich Forminnovationen auf Zeitlichkeitsfragen und die Reflexion der ‚Gegenwart‘ zurückrechnen lassen.

Zitierte Literatur

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[1] Ebd.: „Die Gegenwart Gottes aber nennet man Allgegenwart.“ So auch in Goethes Werther: Ich „fühle die Gegenwart des Allmächtigen.“ (Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. Paralleldruck der beiden Fassungen. Hg. von Matthias Luserke. Stuttgart: Reclam 1999, S. 12/13) Vgl. zum Beispiel L.E.G. Rudolphi: Ueber die Gegenwart und die Allgegenwart. In: Braunschweigisches Journal 1788, 3. Bd., S. 365-369.
[2] Vgl. auch Thomas Paine: The circumstances of the world are continually changing, and the opinions of men change also; and as the government is for the living, and not for the dead, it is the living only that has any right in it. In: ders.: Rights of man (1791). In: ders.: The Writings of Thomas Paine, hg. Von Moncure Daniel Conway, Bd. II, New York 1967, S. 281.

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