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Forschung

 
Arbeitsschwerpunkte
  • Deutsche Literatur vom 16. bis 20. Jahrhundert
  • Literatur- und Wissensgeschichte
  • Historische Kommunikations-, Medien- und Presseforschung
  • Poetik, Rhetorik, Ästhetik
  • Literatur-, Kultur- und Medientheorie
  • Populäre und nichtfiktionale Gattungen, Sachbuchliteratur
  • Form und Repräsentation

 

Aktuelle Projekte
  • Formen der Evidenz. Populäre Wissenschaftsprosa 1844–1899 (Habilitationsschrift, Bearbeitung abgeschlossen). Das Projekt widmet sich dem Prozess der Ausdifferenzierung des Wissenschaftsdiskurses, dessen Erkenntnisbestände ab der Mitte des 19. Jahrhunderts regelrecht explodieren, dessen innere Homogenität jedoch zu implodieren droht. Die Differenzierungs- und Spezialisierungsvorgänge werden begleitet von einem breiten Popularisierungs- und Weltanschauungsdiskurs, dessen textuelle und mediale Darstellungsformen im Fokus der Untersuchung liegen. Eine populäre Wissenschaftsprosa soll publikumswirksam die Grenzen der Einzeldisziplinen nach innen sowie zwischen Spezialisten- und Dilettantentum nach außen markieren. Die Arbeit problematisiert dabei die Vorstellung, dass Popularisierung lediglich eine Diffusion des Wissens von einem esoterischen, fachwissenschaftlichen in einen exoterischen, nicht- oder populärwissenschaftlichen Bereich meint.
  • DFG-Projekt im Heisenberg-Programm: Theatrum mundi – mundus theatri. Konstitutionsbedingungen des Dramas um 1700. Das Projekt widmet sich mit dem Drama zwischen Barock und Frühaufklärung einer vernachlässigten Gattung und stellt die Frage nach ihren formalen und diskursgeschichtlichen Konstitutionsbedingungen um 1700. Das Drama eignet sich für eine solche Beobachtung deswegen gut, weil es entlang seiner gattungsgeschichtlichen Entwicklung – vom Märtyrerdrama bei Gryphius und Lohenstein zum aufklärungsfähigen Beispieltext bei Gottsched – aus einer christologischen, heils- und endzeitgeschichtlichen Perspektivierung des Weltlaufs heraus- und in ein noch unbestimmtes literarisches Funktions- und Bedingungsgefüge hineinführt. Hier organisiert sich die Dramen- und Theaterkultur neu und muss ihre „Gegenwart“ entsprechend umcodieren. Unter medien- und wissenshistorischer Perspektive gerät darum auch die Fülle der jüngst erhobenen Theatrum-Literatur in den Blick, die maßgeblichen Einfluss auf kulturpraktische Inszenierungsstrategien und textuelle Präsenzeffekte nimmt. Mit all dem soll nicht zuletzt jenes literatur- und epochengeschichtliche Beschreibungsmuster problematisiert werden, das die Zeit um 1700 nicht selten und nach wie vor als vermeintliche Verfalls- oder Krisenphase klassifiziert. Hierfür sind insbesondere Texte zu berücksichtigen, die bislang wenig oder noch gar nicht untersucht wurden.
  • Weltanschauung und Textproduktion. Formgebung – Narrative – Verbreitung (Tagungsorganisation mit Anna Brasch, 1.–3.3.2018; gefördert von der DFG, der Universitätsgesellschaft Bonn und dem Strukturierten Promotionsprogramm Bonn). Weltanschauungen haben in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Konjunktur. Als philosophische und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf die entstehenden Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was Hermann Lotze zeitgenössisch schlicht „Zersetzung“ nennt. So umfangreich in den letzten Jahren diese einzelnen, auch populären Anschauungskonzepte vonseiten der Philosophie und der Wissenschaftsgeschichte inhaltlich aufgearbeitet worden sind (Daum 1998; Bayertz/Gerhard/Jaeschke 2007), so sehr fehlt es an einer literaturwissenschaftlich komplementären Auseinandersetzung mit der Textproduktion von Weltanschauung und an einer historisch-systematischen Beschäftigung mit ihrer literarischen und publizistischen Formgebung. Die Arbeiten von Horst Thomé (2002, 2003, 2004) zum Texttypus der ‚Weltanschauungsliteratur‘ liefern hierzu einen ersten, wichtigen Anknüpfungspunkt. Vor diesem Hintergrund problematisiert die Tagung das Verhältnis zwischen Weltanschauungen als intellektuelle, philosophische, (populär)wissenschaftliche und gesellschaftskritische Diskursangebote einerseits und den Niederschlägen andererseits, die sie in der literarischen und publizistischen Textproduktion von Einzelautoren oder von Gruppen – man denke an die zahlreichen Weltanschauungsvereine und ihre Verbreitungsorgane – zustande bringen. Projektskizze >> Programm >>
  • DFG-Graduiertenkolleg: Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses. Ziel des Graduiertenkollegs ist es, die Beziehungen zwischen ‚Literatur‘ und ‚Gegenwart‘ vergleichend in ihren historischen sowie europäisch-nordamerikanischen Erscheinungsformen zu untersuchen: Die Forschungsprojekte richten sich auf die historischen und aktuellen Konstitutionsbedingungen von Gegenwart, (Gegenwarts-)Literaturen und Gegenwartsliteraturforschung sowie auf ihre Interdependenzen. Das Forschungsprogramm ist in vier Teilbereiche aufgefächert: 1) Was ist Gegenwart? Oder: Begriff, Problem und Geschichte der Gegenwart, 2) Was ist Gegenwartsliteratur? Oder: Das Problem der (literarischen) Gegenwartsreferenz und der Vergegenwärtigung von ‚Gegenwart‘ 3) Was ist Gegenwartsliteraturforschung? Oder: Das wissenschaftsgeschichtliche Problem der ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘ 4) Wie wird Gegenwart/Literatur gemacht? Oder: Praxeologische Perspektiven auf ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘. Der praxeologische Teilbereich des Forschungsprogramms fungiert als Scharnier zu den berufspraktischen Komponenten des Qualifizierungskonzepts. >>
  • DFG-Netzwerk: Das Versprechen der Märkte. Neue Perspektiven auf die Wirtschaftskulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Das Projekt zielt auf eine multiperspektivische Analyse frühneuzeitlicher Marktkulturen, deren Praktiken nicht nur von Angebot und Nachfrage, sondern ebenso von sozialen Beziehungen, Affekten und Materialitäten geprägt waren. Das Netzwerk sondiert die Potentiale für eine integrierte Wirtschaftskulturgeschichte der Frühen Neuzeit, indem es neue geschichtswissenschaftliche Ansätze operationalisiert, mittels derer das Ineinandergreifen von Faktoren konzeptionell gefasst werden kann, die bislang sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Hinsicht von Kultur- und Wirtschaftsgeschichte getrennt fokussiert wurden. Dieses Projekt ist in doppelter Hinsicht innovativ: Erstens ermöglicht es die Formulierung und Formierung von methodischen Ansätzen, mit denen frühneuzeitliche Märkte als soziokulturelle Phänomene sui generis untersucht werden können – als Phänomene, in denen ökonomische Praktiken und Techniken des Handelns von Akteur_innen mit Sinngeneratoren wie Ungewissheit, Begierden, Vertrauen und Glück verschränkt sind. Zweitens wird damit die seit längerem vorgebrachte Forderung eingelöst, aktuelle – vor allem praxeologische, institutionenökomomische und wissenshistorische – Konzepte der Wirtschaftsgeschichte auch auf vormoderne ökonomische Kontexte und jenseits der Frage nach der Durchsetzung des Kapitalismus anzuwenden. Um seine Ziele zu erreichen, bringt das Netzwerk Nachwuchswissenschaftler_innen aus Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, Literaturwissenschaft, Soziologie und Theaterwissenschaft zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven Märkte und deren kulturelle und ökonomische Effekte untersuchen. >>
  • Gegenwart – Gelegenheit – Gebrauch. Zeitbezüge der Kasualdichtung seit dem 18. Jahrhundert (Panel mit Johannes Franzen beim 26. Deutschen Germanistentag, 22.–25.9.2019). Das Panel widmet sich den bislang weitgehend unerschlossenen Verlaufsformen und Transformationsphasen, die die Gelegenheitsdichtung seit dem Ende der Frühen Neuzeit durchläuft. Zentraler Ausgangspunkt hierfür ist der basale bewusstseins- und diskursgeschichtliche Umbau von Zeitkonzeptionen im 18. Jahrhundert, der sich insbesondere an der semantischen Neucodierung von ‚Gegenwart‘ bemerkbar macht. Sie ist nicht mehr nur eine räumliche Kategorie zur Signalisierung physischer Präsenz und Anwesenheit, sondern meint nun dezidiert die jeweilige Jetztzeit und verweist damit auf Prozesse der Verzeitlichung. Diese übergeordneten Verschiebungen lassen sich an den gattungsgeschichtlichen und darstellungstechnischen Entwicklungen der Gelegenheitsdichtung exemplarisch verfolgen. Die Frühneuzeitforschung hat wichtige Impulse geliefert, um das an Poetik und Rhetorik orientierte Formen- und Funktionsspektrum der Kasualpoesie – Epicedien, Epithalamien, Panegyrik u.a.m. – systematisch zu beschreiben. Derlei Beschreibugen begnügen sich allerdings zumeist mit der Verausgabung des Genres um 1700. An dieser Stelle möchte das Panel ansetzen und nach den Modi des situativen Gebrauchs von Lyrik unter den Bedingungen einer temporalisierten Gegenwart fragen. Hierbei rücken zugleich Probleme von Aktualität und Neuheit in den Blick, so dass die lyrischen Formen des Gebrauchs immer schon ihren zeitlichen Verbrauch einkalkulieren müssen. So werden die evaluativen Perspektiven in den Blick genommen, die das Gelegenheitsgedicht als paradigmatisch unmoderne Form im Sinne ästhetischer Heteronomievorstellungen abwerten. Demnach versteht sich das Panel einerseits als Beitrag zur Wertungs- und Konfliktgeschichte der Anlassbezogenheit, andererseits ist es als historisch-perspektivische Ergänzung zur derzeit vor allem theorieaffinen Lyrikforschung gedacht.

 

Tagungen und Workshops (Organisation und Mitarbeit)
  • Europäische Gegenwartsliteratur. Trinationaler Doktorandenworkshop. Prag, 12.–14.5.2018; Orgranisation: Manfred Weinberg (Prag) u. Ch. M. (Bonn)
  • Weltanschauung und Textproduktion. Formgebung – Narrative – Verbreitung. Bonn, 1.–3.3.2018; Organisation: Anna S. Brasch u. Ch. M. (beide Bonn)
  • Binationaler Doktorandenworkshop. Prag, 19.–20.5.2017; Organisation: Manfred Weinberg (Prag) u. Ch. M. (Bonn)
  • Binationaler Doktorandenworkshop. Prag, 6.–7.5.2016; Organisation: Manfred Weinberg (Prag) u. Ch. M. (Bonn)
  • Binationaler Doktorandenworkshop. Prag, 11.–13.5.2015; Organisation: Manfred Weinberg (Prag), Matthias Schöning (Konstanz) u. Ch. M. (Bonn)
  • Stadträume der europäischen Moderne. Urbanität – Interkulturalität – Regionalität. Prag, 13.–14.6.2014; Organisation: Ch. M., Sarah Monreal (beide Bonn) u. Manfred Weinberg (Prag)
  • Materialschlachten. Der Erste Weltkrieg und seine Darstellungsressourcen in Literatur, Publizistik und populären Medien 1899–1929. Bonn, 28.–30.11.2013; Organisation: Ch. M., Michael Schikowski u. Jens Wörner (alle Bonn); Interview >>
  • Publizität und Popularität von Nachrichten in der Frühen Neuzeit. Bonn, 29.6.2012; Organisation: Ch. M., Hedwig Pompe u. Dirk Rose (alle Bonn)
  • Heimito von Doderers Die Dämonen. Wien, 23.–25.3.2012; Organisation: Eva Geulen u. Ch. M. (beide Bonn)
  • Popularität und Popularisierung. Möglichkeiten und Probleme der Theoriebildung. Bonn, 10.2.2012; Organisation: Eva Geulen u. Ch. M. (beide Bonn)
  • Das Dämonische. Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit. Bonn, 7.–9.7.2011; Organisation: Eva Geulen, Lars Friedrich (beide Bonn) u. Kirk Wetters (Yale)
  • Reformkulturen. Deutsche und Russische Literatur der Wendezeit 1989/90. Belgorod, 30.9.–1.10.2010; Organisation: Thomas Althaus, Isabell Bürger u. Ch. M. (alle Bremen)
  • Turns und Trends der Literaturwissenschaft. Literatur, Kultur und Wissenschaft zwischen 1848 und 1914 im Fokus aktueller Theoriebildung. Deutsch-amerikanische Tagung für NachwuchswissenschaftlerInnen. Bremen, 2.–3.7.2010; Organisation: Ch. M. (Bremen) u. Eric Scheufler (Seattle)
  • Spielregeln barocker Prosa. Historische Konzepte und theoriefähige Texturen ›unge­bun­dener Rede‹ in der Literatur des 17. Jahrhunderts. Bochum, 10.–12.9.2009; Organisation: Thomas Althaus (Bremen) u. Nicola Kaminski (Bochum)
  • Literarische und kulturelle Beziehungen zwischen Russland und Deutschland im Prozess der Moderne (19. und 20. Jahrhundert). Belgorod, 24.–26.9.2008; Organisation: Thomas Althaus, Hauke Kuhlmann u. Ch. M. (alle Bremen)
  • Kleine Prosa. Theorie und Geschichte eines Textfeldes im Literatursystem der Moderne. 26.–29.5.2005; Organisation: Thomas Althaus (Münster), Wolfgang Bunzel (Frankfurt a.M.) u. Dirk Göttsche (Nottingham)

 

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