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Konstellationen zwischen realistischer Prosa und der Wissenschaft vom Menschen (DFG)

Prof. Dr. Kerstin Stüssel

Bis in jüngste literaturhistorische Beschreibungen wird die Prosa der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter dem Vorbehalt eines defizitären Problembewußtseins und unterkomplexer Darstellungsweisen erfaßt. Im Gegensatz zu diesem Stand der Forschung, dessen Befunde vielfach vor dem Hintergrund historisch nachfolgender Theoriebildungen und Diskussionen gewonnen worden sind, liegt das Ziel des Projektes in einer umfassenden kulturwissenschaftlichen Neubewertung der Literatur des Realismus. Die Projektarbeit basiert auf der Untersuchung anthropologischen Wissens und narratologischer Selbstverortungen in literarischen Texten sowie auf der kontrollierten Analyse entsprechender Text-Kontext-Beziehungen vor allem in ethnographischen Texten; sie folgt der Hypothese, dass realistisches Erzählen in dauernder Wechselwirkung mit Wissenschaft und Wissen komplexe Konstellationen einer literarischen Anthropologie entwirft, deren Interesse es stets auch ist, die eigene lebensweltliche Relevanz zu bezeugen. Im realistischen Erzählen kann der Versuch einer narrativen Integration von neuen anthropologischen Wissensformationen identifiziert werden, deren Bedeutung für den Symbolhaushalt der ›eigenen‹ Kultur in exemplarischen Konstellationen ermessen wird. Es zeigt sich darüber hinaus, dass es gerade die narrativen Rahmungen und Einbettungen von Wissensbeständen sind, die analoge Effekte für das Feld anthropologischen und ethnologischen Wissens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erzeugen. Die in diesem Zeitraum immer wieder aufgeworfene Frage nach der Erzählbarkeit des Wandels von Wissen und Lebenswelten – so die zweite Hypothese – ist zugleich die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens; sie kulminiert in literarischen Szenarien, die die Bedingungen des gelingenden Lebens an dessen narrative Bearbeitung koppeln. Das Erzählen selbst ist somit in realistischer Hinsicht jene ›anthropologische Konstante‹, in der Wissen seine lebensweltliche Bedeutsamkeit gewinnt. 

Mitarbeit:

  • Dr. Daniel Schneider
  • Alexander Bartsch (SHK)
  • Assoziiert: Dr. Michael Neumann (Konstanz)

Aktuelle Publikation:

Michael Neumann/Kerstin Stüssel (Hg.): Magie der Geschichten. Weltverkehr, Literatur und Anthropologie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

http://www.k-up.de/katalog/titel/978-3-86253-013-7.html

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