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Lehre – Bereich Comic und Comicforschung

SS 2022

Der Mythos des/in Comics (BA)

Comics sind, ähnlich wie andere populärkulturelle Erscheinungen (Krimis, Western etc.), oft mit Mythen verglichen worden. Als einer der ersten hat Umberto Eco schon 1962 in einem Aufsatz vom "Mythos von Superman" gesprochen, was er mit den zeitlos entrückten, zyklisch mit jedem Abenteuer wieder auf Anfang zurückgesetzten Handlungsabläufen von Superhelden-Comics begründete. Gerade Superhelden wurden dann auch gerne als fast göttergleiche Gestalten mit übermenschlichen Kräften gesehen, die die Welt vom Übel des Bösen erlösen wollen (dies aber nie ganz schaffen). Viele von ihnen entstammen konsequenterweise der griechischen (Wonder Woman, Hercules) oder nordischen Mythologie (Thor).

Im Seminar setzen wir uns anhand von Beispielen, die sich nur am Rande des Genres der Superhelden befinden, mit der Frage nach dem Mythos und seiner Funktion allgemein sowie seiner Erscheinungsformen in der Populärkultur auseinander. Zwei unterschiedliche Serien werden dabei in den Mittelpunkt gerückt: zum einen die mittlerweile schon als Klassiker betrachtete The Sandman von Neil Gaiman, zum anderen die von Mike Mignola ins Leben gerufene Hellboy-Serie.

Semesterlektüre: Neil Gaiman et al: The Sandman: Worlds End; Mike Mignola: Hellboy in Hell

Die Rezeption altnordischer Mythen im Comic (MA)

Das Mittelalter ist in der Populärkultur auf breiter Front präsent, in jedweder Spielart und Provenienz, in allen Medien. In diesem Seminar soll die Rezeption der altnordischen Mythen beispielhaft anhand unterschiedlicher Comics untersucht werden. Dabei stehen sowohl, grundlegend, die Mythen selbst – Was wissen wir eigentlich über die religiösen Überzeugungen und Bräuche der nordischen Völker des Mittelalters, und woher? – als auch die Formen und Inhalte, die heute unser Bild dieser Mythen prägen, ihre visuellen Schemata und narrativen Ausgestaltungen, im Mittelpunkt. Nach einer Einführung sowohl in die altnordische Mythologie als auch in die Kunstform Comic werden wir in einem close reading ausgewählter Beispiele diese Themen vertiefen.

Semesterlektüre: Neil Gaiman, P. Craig Russell et al.: Norse Mythology (Vol. 1); Walter Simonson: Ragnarök: Last God Standing; Jason Aaron et al.: Jane Foster: The Saga of the Mighty Thor

Ringvorlesung »Aktuelle Probleme der Comicforschung: Räume« (BA/MA)

Die Ringvorlesung Aktuelle Fragen der Comicforschung, die das Netzwerk „Comicforschung im Rheinland“ im Sommersemester 2022 erstmals online an den Universitäten Bonn, Köln und Düsseldorf veranstaltet, hat sich das Ziel gesetzt, Diskussionen zu Inhalten und Methoden der Forschung zur sequentiellen Kunst aufzunehmen. Die Veranstaltung, die aus einer Reihe von Vorlesungen und Kolloquien besteht, richtet sich an Studierende aus den verschiedenen Philologien und kultur- sowie medienwissenschaftlichen Disziplinen. In diesem Semester wollen wir Räume in Comics aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und anhand exemplarischer Beispiele diskutieren.

Darstellende und dargestellte, wirkliche und erfundene Räume sind für Comics in verschiedenen Weisen relevant: Bereits das einzelne Panel verweist auf Räume, die Gestaltung der Seiten folgt räumlichen und architektonischen Gestaltungsprinzipien, und die Handlung konstituiert sich zu einem wesentlichen Teil über die Bewegung der Figuren durch Räume, die sinnstiftend und orientierend sind oder einen labyrinthischen Charakter aufweisen. Zur Analyse dieser Phänomene bieten sich Theorien zu Raumkonzeptionen und Raumkonfigurationen an, die seit dem spatial turn in verschiedensten Disziplinen Berücksichtigung finden: Räume werden nicht mehr als ausschließlich physisch-territoriale, sondern als relationale, symbolisch codierte und gesellschaftlich konstruierte Konzepte aufgefasst. In den letzten Jahrzehnten haben sich in den Kulturwissenschaften Konzepte wie Heterotopien (Michel Foucault), Erinnerungsorte (Pierre Nora), Dritter Raum (Homi Bhabha) und Nicht-Orte (Marc Augé) als besonders geeignete Instrumente etabliert, um die symbolische Dimension und den Konstruktionscharakter von Räumen offenzulegen und kritisch zu analysieren.

Eigene Beteiligung:

04.04. – Joachim Trinkwitz (Bonn): Einführung I: Der Raum des Comics

11.04. – Joachim Trinkwitz (Bonn): Einführung II: Räume im Comic

30.05. – Joachim Trinkwitz (Bonn): Hellboys Höllenfahrt. 

WS 2021/22

Serialität im Comic (Anatomie einer Serie II) (BA)

Das Seminar schließt an die Arbeit des vergangenen Semesters an, aber es werden keine Vorkenntnisse vorausgesetzt. Behandelt wird die »Großserie« Hellboy, mit mittlerweile fast 500 Folgen ein komplexes Gebilde aus zahlreichen (relativ) abgeschlossenen Erzählbögen (»Mini-Serien« und »One Shots«) und Ablegern in Form von Sub-Serien (»Spin Offs« wie u.a. Witchfinder, Lobster Johnson und, besonders umfangreich, B.P.R.D., wiedervereint mit der Hauptserie als Hellboy and the B.P.R.D.), die jeweils wieder in unterschiedlichen Sammelbandreihen zusammengefasst wiederveröffentlicht werden.

Anhand ausgewählter Miniserien und One Shots sollen narrative Besonderheiten von Comics und von Serien allgemein erkundet werden, wobei vor allem das genaue Sehen eingeübt werden soll, das beim Lesen von Literatur nur selten eine Rolle spielt. Intermedialität tritt in Form der zahlreichen Anleihen bei Literatur, vor allem Märchen und Mythen aus aller Welt, aber auch bei Werken der sog. Hochliteratur in den Fokus der Aufmerksamkeit. Daneben sollen auch den Reaktionen und Praktiken von Hellboy-Fans nachgespürt werden.

Semesterlektüre: Mike Mignola et al.: Hellboy Omnibus Vol. 2: Strange Places

Comic und Mythos (MA)

Das Medium Comic wurde schon früh mit dem Mythos in Verbindung gebracht, zuerst 1962 von keinem Geringeren als Umberto Eco, der damit die Zeitlosigkeit und den zyklischen Ablauf der Serie Superman beispielhaft charakterisierte (»Der Mythos von Superman«, dt. in Apokalyptiker und Integrierte. Zur kritischen Kritik der Massenkultur, Frankfurt/M. 1984). Weitergehend wurden später die Superhelden mit ihren übermenschlichen Kräften, die sie in die Lage versetzen, die Welt zu retten, allgemein als mythische Gestalten gesehen. Andere Anknüpfungen des Comics an den Mythos ergeben sich durch die Adaptionen, durch die mythische Erzählungen aller Kulturen als Bildergeschichten neu erzählt wurden (und immer noch werden).

Das Seminar möchte beiden dieser Verknüpfungspunkte ein Stück weit nachgehen und an modernen Beispielen erkunden. Dabei werden sowohl historische Mythen wie die der griechischen Antike (Ody-C als Neufassung von Homers Odyssee) als auch fiktive (die “Endless” in Neil Gaimans Sandman als neu entworfene mythische Figuren sowie der aus christlichen, jüdischen, altgermanischen u.a. Mythologien hybrid zusammengesetzte Mythos in Mike Mignolas Hellboy) in den Blick genommen.

Semesterlektüre: Neil Gaiman et al.: The Sandman Volume 4: Season of Mists; Mike Mignola et al.: Hellboy: The Island; Matt Fraction/Christian Ward: Ody-C

SS 2021

Anatomie einer Serie (BA)

Serien sind aus der Kultur der Gegenwart nicht wegzudenken, sei es im Fernsehen, im Film, in der Literatur oder im Comic. Schon in der Antike wurden lange Epen stückweise vorgetragen, die mittelalterliche arabische Märchensammlung 1001 Nacht zeugt vom raffinierten Einsatz des Cliffhangers, und zu Goethes in zwei Teilen erschienenen Werther wurden von anderen Autoren Sequels veröffentlicht (er selbst legte zu Wilhelm Meisters Lehrjahren bekanntlich die Wanderjahre nach). Im 19. Jh. mit seinen rasanten technischen Entwicklungen, die alle Medien erfassten, wurden die Romane von Dickens, Eugène Sue, Raabe und Fontane seriell in illustrierten Zeitschriften publiziert, die zeitgleich enstehenden neuen Medien Comic und Film (in Form von Serials vor dem Hauptfilm) führten schnell Serien ein, und in der Frühzeit des Radios wurde die Soap Opera geboren.

Das Seminar will anhand einer beispielhaften Lektüre aus dem Bereich des Comics, Mike Mignolas Hellboy, Formen, Funktionen und Rezeption von Serien erkunden. Dabei werden neben einer Erkundung des Mediums Comic selbst so unterschiedliche Aspekte wie Autorschaftsfragen, Intertextualität und Intermedialität sowie die um Serien entstehende Fankultur in den Fokus rücken.

Semesterlektüre: Mike Mignola: Hellboy in Hell (2012–16)

Das Wissen der Populärkultur (MA)

Wissen und Populärkultur, das scheint sich gegenseitig auszuschließen. Aber bei genauerem Hinschauen findet sich in populären Produkten, seien es TV-Serien, Popsongs oder Comics, eine erstaunliche Menge an Wissensbeständen, die eine wissenschaftliche Beschäftigung damit herausfordern. Manchmal wird eine solche schon von Fans dieser Produkte vorweggenommen, die  über unterschiedliche Kanäle (Leserbriefseiten, Fanzines, Internet-Foren, Blogs etc.) sachkundige Informationen untereinander austauschen und ein Spezialwissen über die jeweiligen Serien entwickeln. Dies beschränkt sich nicht nur auf erzählte Inhalte, sondern schließt auch selbstständig recherchiertes Wissen ein etwa über Autorschaftsfragen, biographische Details, Stilprobleme, die Aufdeckung von Anspielungen und anderen intertextuellen Bezügen etc., die das Gebiet der akademischen Wissenschaften berühren und diesen historisch in allen Medien vorausgehen.

Das Seminar wird diesen Erscheinungen exemplarisch anhand der abgeschlossenen Comic-Serie Providence von Alan Moore (Szenario) und Jacen Burrows (Zeichnungen) nachgehen, die ihrerseits Anschluss sowohl an vorherige Comics und Texte Moores als auch metareflexiv an die Erzählwelten des amerikanischen Horrorautors H.P. Lovecraft und seines von ihm inspirierten Freundeskreises anschließen. Dabei stehen am Beginn Fragen nach dem Ort und den Arten des Wissens in der Kultur allgemein sowie nach den Unterschieden von Hoch- und Populärkultur, bevor wir uns anhand einer genauen Lektüre medienspezifischen Aspekten des Comics, Genrefragen, Aspekten der Intertextualität und schließlich der Rezeption von Providence widmen. Nicht zuletzt wird dabei auch unser eigenes Tun als Kulturwissenschaftler*innen in den Fokus des Interesses treten.

Semesterlektüre: Alan Moore/Jacen Burrows: Providence (2015–17)

WS 2020/21

Appropriation und Revision in der Populärkultur. Parodie als Grundfigur des Comics (MA)

Die Epoche der Postmoderne wird allgemein als eine der Parodie im weitesten Sinne verstanden, der zitierenden Wiederaufnahme, des Rewriting und des Remixing älterer Texte oder Textbestandteile, im Zuge von Postkolonialismus und Intersektionalität des kritischen Writing back aus der Perspektive der explizit oder implizit Ausgeschlossenen. Dies gilt auch, vielleicht sogar verstärkt, für das Medium des Comics, das als "unidentifiziertes kulturelles Objekt" (Th. Groensteen) weder gesellschaftliche Legitimierung noch gar kulturelle Anerkennung oder Wert zugesprochen wird, trotz (oder gerade wegen) der Nobilitierungsbestrebungen zur "Graphic Novel".

Das Seminar wird sich mit zwei Beispielen für diese Tendenz beschäftigen, Matt Fractions und Christian Wards Gender-Parodie Ody-C, einer verfremdenden Adaption von Homers klassischer Odyssee, in der alle Männerrollen mit Frauen besetzt werden, und Alan Moores und Kevin O’Neills Black Dossier untertiteltem Band der Serie The League of Extraordinary Gentlemen, einer Fortsetzung des als Pastiche unterschiedlicher Heldenfiguren aus Unterhaltungsromanen des 19. Jhd.s begonnenen Reihe, die hier im 20. Jhd. fortgesetzt wird.

Das Seminar stellt eine Fortsetzung der Beschäftigung mit parodischen Formen des vorhergehenden Semesters fort, kann aber auch ohne Teilnahme am ersten Teil besucht werden. Neben Fragen zu Kanon, kultureller Hegemonialität und Intermedialität werden besonders die medienspezifischen Formen und Verfahren des Comics im Mittelpunkt stehen.

Semesterlektüre: Matt Fraction/Christian Ward: Ody-C (2014–); Alan Moore/Kevin O’Neill: The League of Extraordinary Gentlemen – Black Dossier (2007)

Pastiche, Remixing und Rewriting im Medium Comic (BA)

Die Epoche der Postmoderne wird allgemein als eine der Parodie im weitesten Sinne verstanden, der zitierenden Wiederaufnahme, des Rewriting und des Remixing älterer Texte oder Textbestandteile, im Zuge von Postkolonialismus und Intersektionalität der kritischen Revision und des Writing back aus der Perspektive der explizit oder implizit Ausgeschlossenen. Dies gilt auch, vielleicht sogar verstärkt, für das Medium des Comics, das als "unidentifiziertes kulturelles Objekt" (Th. Groensteen) weder gesellschaftliche Legitimierung noch gar kulturelle Anerkennung oder Wert zugesprochen wird, trotz (oder gerade wegen) der Nobilitierungsbestrebungen zur "Graphic Novel".

Das Seminar wird sich mit zwei Beispielen für diese Tendenz beschäftigen, Matt Fractions und Christian Wards Gender-Parodie Ody-C, einer verfremdenden Adaption von Homers klassischer Odyssee, in der alle Männerrollen mit Frauen besetzt werden, und Alan Moores und Kevin O’Neills Black Dossier untertiteltem Band der Serie The League of Extraordinary Gentlemen, einer Fortsetzung des als Pastiche unterschiedlicher Heldenfiguren aus Unterhaltungsromanen des 19. Jhd.s begonnenen Reihe, die hier im 20. Jhd. fortgesetzt wird.

Das Seminar stellt eine Fortsetzung der Beschäftigung mit parodischen Formen des vorhergehenden Semesters fort, kann aber auch ohne Teilnahme am ersten Teil besucht werden. Neben Fragen zu Kanon, kultureller Hegemonialität und Intermedialität werden besonders die medienspezifischen Formen und Verfahren des Comics im Mittelpunkt stehen.

Semesterlektüre: Matt Fraction/Christian Ward: Ody-C (2014–); Alan Moore/Kevin O’Neill: The League of Extraordinary Gentlemen – Black Dossier (2007)

WS 2019/20

Räume, Grenzen, Rahmen – Raumkonzepte im Medium Comic (BA)

Von Cervantes Don Quijote über Goethes Wilhelm Meister und Poes Arthur Gordon Pym bis hin zu Tolkiens Herr der Ringe, Erzählungen beginnen häufig, wenn die Protagonisten von zu Hause aufbrechen und ihre angestammte Umwelt verlassen. Das eigene Zuhause ist ein geschützter, vertrauter Bereich, wer diesen verlässt, überschreitet Grenzen und setzt sich dem Unbekannten und potentiell Gefährlichen aus, erschließt aber auch neue Räume, die man sich zu eigen machen kann. Auf alten Karten sind in unbekannten Weltteilen Monster und Fabeltiere eingezeichnet, die auf die Gefahren einer Reise hinweisen; Abenteurer und Forscher kartografieren diese neuen Gebiete und verschieben so die Grenzen der »unzivilisierten« Welt, die mitsamt ihren »barbarischen« Bewohnern dem eigenen (Be)Reich einverleibt wird. Raumkonzepte sind ein wichtiger Bestandteil der Erzählforschung, der u.a. von theoretischen Ansätzen Michail Bachtins und Jurij Lotmans, Michel Foucaults und Michel de Certeaus inspiriert ist.

Das Medium Comic überschreitet ebenfalls Grenzen, etwa die von Lessing in seiner Schrift Laokoon gezogenen zwischen "Malerei und Poesie", indem es Text und Bild kombiniert, oder diejenigen zwischen der anerkannten Hochkultur und der Populärkultur. Dabei sind Comics auch medial-materiell stark von räumlicher Organisation geprägt, der des einzelnen Bilds (Panel), der Panelsequenz, der Seite und der Doppelseite, des Hefts und des Buchs.

Das Seminar wird anhand von mehreren Beispielen, deren Plot von Grenzüberschreitungen ausgeht, unterschiedliche Raumkonzepte sowohl inhaltlicher als auch formaler Natur erkunden und kartografieren.

Semesterlektüre: Carl Barks: Lost in the Andes (dt. Im Land der viereckigen Eier) (1949); Benoît Peeters/François Schuiten: Le Tour (dt. Der Turm) (1987); Lorenzo Mattotti: Fuochi (dt. Feuer) (1988); Bastien Vivès: Pour l'Empire (dt. Für das Imperium) (2010–11)

Räume, Grenzen, Rahmen – Raumkonzepte im Medium Comic (MA)

Von Cervantes Don Quijote über Goethes Wilhelm Meister und Poes Arthur Gordon Pym bis hin zu Tolkiens Herr der Ringe, Erzählungen beginnen häufig, wenn die Protagonisten von zu Hause aufbrechen und ihre angestammte Umwelt verlassen. Das eigene Zuhause ist ein geschützter, vertrauter Bereich, wer diesen verlässt, überschreitet Grenzen und setzt sich dem Unbekannten und potentiell Gefährlichen aus, erschließt aber auch neue Räume, die man sich zu eigen machen kann. Auf alten Karten sind in unbekannten Weltteilen Monster und Fabeltiere eingezeichnet, die auf die Gefahren einer Reise hinweisen; Abenteurer und Forscher kartografieren diese neuen Gebiete und verschieben so die Grenzen der »unzivilisierten« Welt, die mitsamt ihren »barbarischen« Bewohnern dem eigenen (Be)Reich einverleibt wird. Raumkonzepte sind ein wichtiger Bestandteil der Erzählforschung, der u.a. von theoretischen Ansätzen Michail Bachtins und Jurij Lotmans, Michel Foucaults und Michel de Certeaus inspiriert ist.

Das Medium Comic überschreitet ebenfalls Grenzen, etwa die von Lessing in seiner Schrift Laokoon gezogenen zwischen "Malerei und Poesie", indem es Text und Bild kombiniert, oder diejenigen zwischen der anerkannten Hochkultur und der Populärkultur. Dabei sind Comics auch medial-materiell stark von räumlicher Organisation geprägt, der des einzelnen Bilds (Panel), der Panelsequenz, der Seite und der Doppelseite, des Hefts und des Buchs.

Das Seminar wird anhand von mehreren Beispielen, deren Plot von Grenzüberschreitungen ausgeht, unterschiedliche Raumkonzepte sowohl inhaltlicher als auch formaler Natur erkunden und kartografieren.

Semesterlektüre: Carl Barks: Lost in the Andes (dt. Im Land der viereckigen Eier) (1949); Benoît Peeters/François Schuiten: Le Tour (dt. Der Turm) (1987); Lorenzo Mattotti: Fuochi (dt. Feuer) (1988); Bastien Vivès: Pour l'Empire (dt. Für das Imperium) (2010–11)

SS 2019

Auto/Biographie in Bild und Text – Life Writing in Comic und Graphic Novel (BA)

Als sich in den kulturellen Umbrüchen der späten 1960er Jahre eine junge Generation von alten, korrumpiert erscheinenden Werten abwandte und nach neuen, vom bürgerlichen Erbe nicht verbrauchten Ausdrucksmöglichkeiten suchte, geriet bald auch der Comic als populärkulturelles Medium ins Blickfeld junger AutorInnen und KünstlerInnen. Seitdem rollt eine Welle des graphic life writing, der Selbst(be)schreibung und -zeichnung, oder graphic memoir, der gezeichneten Erinnerung, durch die Geschichte dieser Kunstform, die bis heute ungebrochen ist und zunehmend öffentliche wie wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Art Spiegelmans Maus (1986–90), der Bericht über die Eltern des Autors, beide Überlebende des KZ Auschwitz, und seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit ihnen, wird als paradigmatisch für das Genre betrachtet und trug wesentlich zu einer wachsenden Respektabilität des Mediums bei. Nach seinem Vorbild treten in Comic-Autobiographien häufig neben die Person der Autorin oder des Autors auch andere, ihr oder ihm nahestehende Menschen (Familienangehörige, Freunde, Vorfahren) in den Mittelpunkt. In Bechdels Fun Home ist es der Vater, dessen unterdrückte Homosexualität die Kindheit der Autorin maßgeblich geprägt hat, in Backderfs My Friend Dahmer der Klassenkamerad, der sich später als Serienmörder entpuppt und Fragen nach der Richtigkeit des eigenen Handelns aufwirft, in Weyhes Im Himmel ist Jahrmarkt sind es die Urgroßeltern- und Großelterngenerationen, die von der Autorin als bisher unbekannter Hintergrund der eigenen Persönlichkeit entdeckt werden.

Das Seminar möchte mit den erzählerischen Mitteln des Mediums Comic sowie den medienspezifischen Umformungen der Selbstdarstellung darin vertraut machen. Nach einer grundlegenden Einführung in Aspekte der Autobiographie und des life writing sowie einem Überblick über historisch besonders markante Beispiele des Genres werden wir uns einem close reading von drei herausragenden Beispielen der letzten Jahre widmen. Dabei werden auch generelle, von der Literaturwissenschaft entwickelte Konzepte des Genres erörtert, wie Autobiographie als Gattung, Autorschaft, Autofiktion u.a. Daneben stehen Fragen zur Populärkultur zur Diskussion.

Semesterlektüre: Alison Bechdel: Fun Home (2006); Derf Backderf: My Friend Dahmer (2012); Birgit Weyhe: Im Himmel ist Jahrmarkt (2013)

Graphic Memoir – Auto/Biographie und Autofiktion im Medium Comic (MA)

Als sich in den kulturellen Umbrüchen der späten 1960er Jahre eine junge Generation von alten, korrumpiert erscheinenden Werten abwandte und nach neuen, vom bürgerlichen Erbe nicht verbrauchten Ausdrucksmöglichkeiten suchte, geriet bald auch der Comic als populärkulturelles Medium ins Blickfeld junger AutorInnen und KünstlerInnen. Seitdem rollt eine Welle des graphic life writing, der Selbst(be)schreibung und -zeichnung, oder graphic memoir, der gezeichneten Erinnerung, durch die Geschichte dieser Kunstform, die bis heute ungebrochen ist und zunehmend öffentliche wie wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Art Spiegelmans Maus (1986–90), der Bericht über die Eltern des Autors, beide Überlebende des KZ Auschwitz, und seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit ihnen, wird als paradigmatisch für das Genre betrachtet und trug wesentlich zu einer wachsenden Respektabilität des Mediums bei. Nach seinem Vorbild treten in Comic-Autobiographien häufig neben die Person der Autorin oder des Autors auch andere, ihr oder ihm nahestehende Menschen (Familienangehörige, Freunde, Vorfahren) in den Mittelpunkt. In Bechdels Fun Home ist es der Vater, dessen unterdrückte Homosexualität die Kindheit der Autorin maßgeblich geprägt hat, in Backderfs My Friend Dahmer der Klassenkamerad, der sich später als Serienmörder entpuppt und Fragen nach der Richtigkeit des eigenen Handelns aufwirft, in Weyhes Im Himmel ist Jahrmarkt sind es die Urgroßeltern- und Großelterngenerationen, die von der Autorin als bisher unbekannter Hintergrund der eigenen Persönlichkeit entdeckt werden.

Das Seminar möchte mit den erzählerischen Mitteln des Mediums Comic sowie den medienspezifischen Umformungen der Selbstdarstellung darin vertraut machen. Nach einer grundlegenden Einführung in Aspekte der Autobiographie und des life writing sowie einem Überblick über historisch besonders markante Beispiele des Genres werden wir uns einem close reading von drei herausragenden Beispielen der letzten Jahre widmen. Dabei werden auch generelle, von der Literaturwissenschaft entwickelte Konzepte des Genres erörtert, wie Autobiographie als Gattung, Autorschaft, Autofiktion u.a. Daneben stehen Fragen zur Populärkultur zur Diskussion.

Semesterlektüre: Alison Bechdel: Fun Home (2006); Derf Backderf: My Friend Dahmer (2012); Birgit Weyhe: Im Himmel ist Jahrmarkt (2013)

WS 2018/19

Der Comic: Intertextualität – Interpiktorialität – Intermedialität (BA)

Der Comic (einschließlich der Unterformen Graphic Novel, Manga etc.) ist ein erst in den letzten Jahren in den Fokus der Aufmerksamkeit von Feuilleton und Wissenschaft geratenes Medium. Aufgrund seiner Form und Geschichte ist es für die Komparatistik geradezu ein Paradebeispiel für vielfältige Bezüge: durch seine zahlreichen Aufnahmen älterer Stoffe, Motive und Figuren aus der Literatur- und Kunstgeschichte, durch seine medialen Besonderheiten als Mischung aus Text und Bild, sowie seine Anziehungskraft für weitere Gestaltungen etwa im Film.

Das Seminar will dies zum Ausgangspunkt für eine Erkundung solcher Bezugnahmen anhand der Verarbeitung des Jack-the-Ripper-Stoffes durch Alan Moores und Eddie Campbells monumentalen Comicroman From Hell nehmen und zugleich in die Grundlagen der Comicanalyse einführen.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell

Intermedialität und Multimodalität: Jack the Ripper im Comic (BA)

Jack the Ripper, der legendäre, nie gefasste Frauenmörder aus dem viktorianischen England, taucht schon früh in diversen Medien auf, etwa 1902 in Frank Wedekinds Schauspiel Die Büchse der Pandora oder in Alfred Hitchcocks Stummfilm The Lodger von 1926. Die Faszinationskraft des Falls und seiner zahlreichen Verdächtigen soll anhand einer der besten Gestaltungen, Alan Moores und Eddie Campbells 1999 fertiggestellter Comicroman From Hell, im Mittelpunkt der Seminararbeit stehen. Von diesem komplexen und anspielungsreichen Werk aus wird in die Comicanalyse sowie die zahlreichen kulturellen Felder, die es eröffnet, eingeführt.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell

SS 2018

Serien! Killer! Comics! Konzepte des Populären in einem multimodalen Medium, T. 2 (BA)

Als Schnittpunkt unterschiedlichster Diskurse, von kriminologischen (Detektion, Profiling), medizinischen (Psychiatrie, Hirnforschung) und anthropologischen (Mensch oder Monster?) über juristische (Strafmaß, Zurechnungsfähigkeit, Recht vs. Gerechtigkeit) und ethische (das Böse, Gewaltdarstellung und ihre Folgen) bis hin zu medialen (Faktualität und Fiktionalität, Authentizität, Serialität), bietet die Figur des Serienkillers vielfältige Ansätze zu kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Auch im Comic ist sie reichhaltig vertreten, aber von der Forschung bislang wenig beachtet. Anhand von ausgewählten Comics und Graphic Novels, die Serienmorde thematisieren, sollen im Seminar zum einen Grundlagen der Comicanalyse vermittelt, zum anderen allgemeinere populärkulturelle Konzepte diskutiert werden.

Das Seminar ist ein Sequel zu demjenigen im WS 2017/18, kann aber auch problemlos von Studierenden belegt werden, die die erste Folge verpasst haben. Wurde damals der Schwerpunkt auf die Serialität gelegt, sollen in diesem Semester andere Aspekte populärkultureller Fiktionen im Mittelpunkt stehen: die Darstellung von Verbrechen und Gewalt, Wissenspoetik/Fallgeschichten als Literatur, Kanon- und Wertungsfragen u.v.m.

Semesterlektüre: Brian Michael Bendis/Marc Andreyko: Torso. A True Crime Graphic Novel (2000); Jeff Jensen/Jonathan Case: Green River Killer. A True Detective Story (2011); Derf Backderf: My Friend Dahmer (2012)

Comic und Comicforschung (MA)

Der Comic (ein umfassenderer Begriff als "Graphic Novel") ist ein noch relativ junges, aber stark im Aufwind befindliches Forschungsfeld. Das Seminar wird sich mit neueren interessanten Publikationen dazu befassen, mit besonderer Hinsicht auf mediale und formale Besonderheiten in Abgrenzung zu den Nachbarmedien Literatur und Film. Dies umfasst Grundlegendes wie die Definition, aber auch Konzepte von Autorschaft und formale, in Zusammenhang mit medienspezifischen Produktionsbedingungen (Copyright/Trademark) zu sehende Eigenschaften (Serialität, "Arthrologie").

Um die theoretischen Entwürfe an einem konkreten Beispiel zu überprüfen, wird Alan Moores und Dave Gibbons Watchmen herangezogen.

Semesterlektüre:. Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen

WS 2017/18

Serien! Killer! Comics! Konzepte des Populären in einem multimodalen Medium (BA)

Serien prägen nicht nur im Zeichen von Quality TV, Netflix, Amazon Video etc. die Gegenwart, sondern sind spätestens seit dem 19. Jh. eine der populärsten Erscheinungsformen auch schon der Druckkultur. Das Medium Comic entwickelt sich im Gefolge von Zeitungen und Romanheften und teilt mit diesen wesentliche Merkmale, die es bis heute maßgeblich prägen, selbst in den gegenwärtigen Zeiten der Grapic Novel (die fast immer seriell vorpubliziert wird). Die Serialität prägt nicht nur auf der Produktionsseite spezifische Formen des Erzählens, sondern fordert durch ihre zeitlich rhythmisierte Publikationsweise eine aktive Leserschaft, die sich im 20. Jh. zu einer Partizipationskultur entwickelt.

Das Seminar will mit Formen und Folgen seriellen Erzählens anhand ausgewählter Comicserien bekannt machen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgefordert, zusätzlich zur gemeinsamen Lektüre auf eigene Faust Serien im Bestand der Bibliothek oder in Eigenbesitz zu erkunden und in die Diskussion einzubringen.

Semesterlektüre: Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets (1999–2009)

SS 2017

Die Graphic Novel: Versuch einer Begriffsbestimmung (BA)

Mittlerweile hat sich die Bezeichnung »Graphic Novel« für bestimmte Spielarten des Comics in Verlag und Buchhandel, im Feuilleton und bei einem breiten Publikum eingebürgert. Viele Fans, aber auch Comickünstler selbst sowie ein Teil der akademischen ForscherInnen stehen dieser Begriffsbildung ablehnend oder sogar offen feindselig gegenüber. Das Seminar wird anhand exemplarischer Lektüren und unter Hinzuziehung von relevanter Forschungsliteratur der Geschichte des Begriffs nachgehen und überprüfen, welcher heuristische Wert dieser Neubildung zukommt und ob damit der Literaturwissenschaft ein neues Forschungsgebiet erwächst.

Semesterlektüre: Charles Burns: Black Hole (1995–2004/2005); Jeph Loeb/Tim Sale: Batman – The Long Halloween (1996–97/1998); Winshluss: Pinocchio (2009); Peer Meter/Barbara Yelin: Gift (2010)

WS 2016/17

Krimis – Gattungs- und Erzählkonzepte am Beispiel des Comics (BA)

Der Krimi ist in allen erzählenden Medien vertreten und scheint allgemein eine der beliebtesten Gattungen überhaupt. Das Seminar wird sich zunächst grundlegend mit dem Konzept der Gattung auseinandersetzen, die verschiedenen Spielarten der Kriminalerzählung erkunden und anschließend prominente Vertreter der unterschiedlichen medialen Ausformungen analysieren. Dabei werden Fragen der Intertextualität und Intermedialität sowie das Gefälle zwischen Populär- und Hochkultur behandelt. Das Schwergewicht liegt dabei auf dem Comic; gelesen werden ausgewählte Beispiele aus England, den USA, Frankreich und Deutschland.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell (1989–98); Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare; Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets

SS 2016

Dimensionen des Comics (mit Schwerpunkt frankobelgischer Sprachraum) (BA)

Zusammen mit PD Dr. Rolf Lohse

Das Seminar bietet anhand ausgewählter Beispiele eine systematische Einführung in die Kunstform des Bande dessinée (Comic).

Von Mäusen, Watchmen und Dark Knights -- 1986 als Wendejahr in der Comicgeschichte (BA)

Im Laufe des Jahres 1986 erschienen drei in der Öffentlichkeit Aufsehen erregende Comics, die die Wahrnehmung dieser Kunstform entscheidend veränderten. Mit dem ersten Band von Art Spiegelmans Maus, den ersten vier (von zwölf) Teilen von Alan Moores und Dave Gibbons Watchmen sowie mit Frank Millers Batman – The Dark Knight Returns schien das ›Erwachsenwerden‹ des Mediums besiegelt, das seit den 1980er Jahren nicht nur in den USA eine enorme Diversifizierung erfahren hatte. Besiegelt wurde dies durch einen Pulitzer-Preis für Spiegelman und (einige Jahre später) durch die Aufnahme von Watchmen in die Liste der 100 besten Romane (!) seit 1923 sowie vor allem mit einer Vielzahl von akademischen Aufsätzen über Maus, die der wissenschaftlichen Comicforschung einen enormen Vorschub leisteten.

Die drei als die Big three in die Geschichtsbücher eingegangenen Werke werden im Seminar gründlich gelesen und diskutiert, unter Einbeziehung von zusätzlichen Materialien und Forschungsliteratur. Damit verbundene allgemeine Themen sind das Verhältnis von populärer und Hoch-Kultur, Prozesse der Kanonisierung und das kulturelle Gedächtnis.

Semesterlektüre: Art Spiegelman: Maus; Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen; Frank Miller: Batman – The Dark Knight Returns

WS 2015/16

Raumkonzepte in visuellen Medien: Comics und Graphic Novels (BA)

Comics und Graphic Novels finden in doppelter Hinsicht in Räumen statt, zum einen in konkret sichtbaren, von den Figuren intradiegetisch erfahrenen architektonischen oder landschaftlichen Räumen, zum anderen in den Architekturen der Comicseiten, die oft in ihrer zweidimensionalen Anordnung Gebäuden mit Fensterreihen ähneln, aber auch ganz anders gestaltet werden können. So wie die Figuren ihren Weg durch die dargestellten Räume finden, muss sich der Leser seinen eigenen Pfad durch die Abfolge der Panels und Bilder suchen. Räume im Comic können allerdings auch pure Gebilde der Phantasie oder des Traums sein.

Im Seminar werden Texte zu Raumtheorien gelesen, in deren Licht ausgewählte Comics und Graphic Novels auf die Gestaltung von Räumen hin analysiert werden.

Semesterlektüre: François Schuiten/Benoît Peeters: Der Turm; Martin tom Dieck: Der unschuldige Passagier; Marc-Antoine Mathieu: Der Wirbel; Kyoko Okazaki: River's Edge; Chris Ware: September 23rd, 2000 (aus: ders.: Building Stories)

 

SS 2015

Autobio-Graphic: Ich-Darstellung im Comic (BA)

Seit den 1960er-Jahren beginnen junge Künstlerinnen und Künstler, den Comic als Möglichkeit des Selbstausdrucks zu entdecken und zu nutzen; alsbald rollt eine bis heute ungebrochene Welle der Ich-Darstellung durch die Geschichte dieser Kunstform. Im Seminar sollen unterschiedliche Möglichkeiten dieser "Autobio-Graphik" gelesen werden und die Brechungen analysiert werden, die ein multimodales, d.h. mehrere Kanäle, sowohl Bild als auch Sprache, beinhaltendes Medium diesem Unterfangen widerfahren lässt. Dabei sollen neuere Ansätze der Autobiographie-Forschung aus der Literaturwissenschaft nicht unberücksichtigt bleiben; im Mittelpunkt sollen dabei die Memoria, der schon in der Antike viel beachtete Begriff der Erinnerung, der heutzutage eines der zentralen Felder der Kulturwissenschaft darstellt und enge Beziehungen zum Konzept des Raums aufweist, sowie die Autofiktion stehen, letztere steht für die Durchbrechung oder besser Ergänzung der realistischen Beschreibung mit fiktionalen Mitteln, etwas, das schon Goethe mit dem Titel seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, andeutet.

Semesterlektüre: Justin Green: Binky Brown Meets the Holy Virgin Mary; Moebius: »Fumetti.« (In: Moebius Zeichenwelt. Hrsg. v. Andreas Platthaus); Mawil: Wir können ja Freunde bleiben; Alison Bechdel: Fun Home; Eddie Campbell: The Fate of the Artist; Gipi: MSGL. Mein schlecht gezeichnetes Leben

WS 2014/15

Der Comic: Intermedialität – Intertextualität – Interpiktoralität (BA)

Als genuin multimodales Medium ist der Comic in jüngster Zeit verstärkt in den Blickpunkt der Komparatistik gerückt. Wie spielen Bild und Text in dieser Kunstform, die Vorläufer bis in die Antike und darüber hinaus hat, zusammen? Wie wird im Comic Bedeutung erzeugt? Wie erzählt er? Tut er das überhaupt (wer erzählt)? Bilder und Texte, jeweils für sich und in Kombination, stellen Verbindungen her zu anderen Texten und Bildern, und bilden ein vielfältiges Bezugsgeflecht.

Spannend ist dabei, dass seit den 1980er Jahren zunehmend komplexere Werke (manchmal etwas irreführend Graphic Novel genannt) entstehen, die die von Serien wie Donald Duck, Asterix und Superman bekannten Erzählmuster verlassen und neue, originelle Wege gehen.

Anhand eines hochkomplexen Comics, Chris Wares Jimmy Corrigan, sollen Wege zur Lektüre und Analyse erprobt werden, die die vielfältigen Bezüge und die damit implizierte neue Positionierung des Comics in der Kultur berücksichtigen.

Nach einem gründlichen close reading werden gemeinsam wissenschaftliche Aufsätze zum Comic im Allgemeinen und zu Jimmy Corrigan im Besonderen gelesen.

Semesterlektüre: Chris Ware: Jimmy Corrigan

Intermedialität im Bild-Text-Medium: Chris Wares Avantgarde-Comic “Jimmy Corrigan” (BA)

Als genuin multimodales Medium ist der Comic in jüngster Zeit verstärkt in den Blickpunkt der Komparatistik gerückt. Wie spielen Bild und Text in dieser Kunstform, die Vorläufer bis in die Antike und darüber hinaus hat, zusammen? Wie wird im Comic Bedeutung erzeugt? Wie erzählt er? Tut er das überhaupt (wer erzählt)? Bilder und Texte, jeweils für sich und in Kombination, stellen Verbindungen her zu anderen Texten und Bildern, und bilden ein vielfältiges Bezugsgeflecht.

Spannend ist dabei, dass seit den 1980er Jahren zunehmend komplexere Werke (manchmal etwas irreführend Graphic Novel genannt) entstehen, die die von Serien wie Donald Duck, Asterix und Superman bekannten Erzählmuster verlassen und neue, originelle Wege gehen.

Anhand eines hochkomplexen Comics, Chris Wares Jimmy Corrigan, sollen Wege zur Lektüre und Analyse erprobt werden, die die vielfältigen Bezüge und die damit implizierte neue Positionierung des Comics in der Kultur berücksichtigen.

Nach einem gründlichen close reading werden gemeinsam wissenschaftliche Aufsätze zum Comic im Allgemeinen und zu Jimmy Corrigan im Besonderen gelesen.

Semesterlektüre: Chris Ware: Jimmy Corrigan

SS 2014

Der europäische Comic: Populärkultur oder »unpopular culture«?

Der Comic wird, vielleicht auch aufgrund der aus dem Englischen stammenden Bezeichnung, häufig mit der US-amerikanischen Tradition des Mediums (Superhelden und Disney-Figuren) gleichgesetzt. Den europäischen Comic vertritt nur die hierzulande ebenso stark vertretene Gruppe der aus Frankreich und Belgien stammenden »Funnies« (Asterix, Lucky Luke, Tim und Struppi etc.). Dass jedoch in Europa nicht nur England, sondern auch Länder wie Italien, Spanien und zuletzt sogar Deutschland beachtliche einheimische Comic-Traditionen hervorgebracht haben, ist wenig bekannt. Seit den 1990er-Jahren zeichnet sich hier eine Entwicklung ab, die dem alten Kontinent in gewisser Hinsicht sogar eine Vorreiterstellung vor den USA verleiht, indem sie die konventionellen Darstellungs- und Handlungsmuster verlässt und neue, eigene Wege geht. Der kanadische Wissenschaftler Bart Beaty hat die Eigenart dieser Entwicklung unter dem paradoxen Stichwort »unpopular culture« zu resümieren versucht.

Das Seminar will diese europäische Entwicklung an einer breiten Palette ausgewählter Beispiele aufzeigen und damit auch die neuere Entwicklung des Comics hin zu einem an ein erwachsenes, anspruchsvolles Publikum gerichtetes Medium verdeutlichen. Dabei soll auch das nicht ganz unproblematische, spannungsvolle Paradoxon dieser Entwicklung diskutiert werden. Gleichzeitig werden wir uns dem Phänomen ›Populärkultur‹ anhand theoretischer Texte annähern.

Semesterlektüre: Jacques Tardi: Die wahre Geschichte vom unbekannten Soldaten; ders.: The Basket Case; Luigi Mattotti: Feuer; Marc-Antoine Mathieu: Der Ursprung; Anke Feuchtenberger: Die Hure H; Jason: Hemingway; Max: Bardín der Superrealist; Alan Moore/David Lloyd: V for Vendetta

WS 2013/14

Multimodales Erzählen im Comic (BA)

Erzählen Comics, oder moderner gesagt: Graphic Novels, in der gleichen Weise wie Literatur? Die Bezeichnung Graphic Novel stellt ja explizit einen Bezug zu literarischen Genres her, aber ist das ein haltbarer Vergleich bei einer Kunstform, die mit Bildern erzählt? Und darf eine aus der Populärkultur entstammende Form den Anspruch erheben, mit ›richtiger‹ Literatur gleichgestellt zu werden? Das Seminar wird diesen und weitergehenden Fragen anhand repräsentativer Beispiele amerikanischer und europäischer Provenienz nachgehen.

Semesterlektüre: Chris Ware: Jimmy Corrigan; Martin tom Dieck: Der unschuldige Passagier; Neil Gaiman/Dave McKean: Signal to Noise

SS 2013

Zugänge zum Comic (BA)

Das Medium des Comic, seit einiger Zeit vornehm ›Graphic Novel‹ genannt, ist eines der meist vernachlässigten Konzepte in der Mediendebatte, teils, weil er als Printmedium eher altmodisch erscheint, aber auch, weil er vorschnell als unterkomplex und ausschließlich an ein kindliches (oder kindgebliebenes) Publikum gerichtet abgewertet wird.

Das Seminar wird dieses Medium genauer unter die Lupe nehmen und wichtige Charakteristika und Unterschiede sowie Anschlusspunkte zu den anderen Medien herausstellen.

Als Anschauungsobjekt für die Arbeit im Semester dient Alan Moores und Eddie Campbells Comicroman From Hell. Wir werden das umfangreiche Buch genau lesen (close reading) und auf seine Erzählstruktur und comicspezifischen Erzählmittel, Figurendarstellung, Stil und intertextuellen Bezüge hin untersuchen. Anschließend werden wir ausgewählte wissenschaftliche Aufsätze zu diesem Comic lesen und ihn im Licht dieser Erkenntnisse erneut lesen; dabei werden Themen wie das Populäre, das Motiv des Serienmords, serielle Publikationsformen, Großstadtdarstellung, genderspezifische Aspekte und anderes mehr aufgegriffen.

Abschließend werden die Verfilmung von From Hell durch die Brüder Hughes und, davon ausgehend, die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Medien Comic und Film betrachtet.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell (1989–98)

»From Hell« – Intertextualität und Intermedialität der Graphic Novel (BA)

Das Medium des Comic, seit einiger Zeit vornehm Graphic Novel genannt, ist eines der meist vernachlässigten Konzepte in der Mediendebatte, teils, weil er als Printmedium eher altmodisch erscheint, aber auch, weil er vorschnell als unterkomplex und ausschließlich an ein kindliches (oder kindgebliebenes) Publikum gerichtet abgewertet wird.

Das Seminar wird dieses Medium genauer unter die Lupe nehmen und wichtige Charakteristika und Unterschiede sowie Anschlusspunkte zu den anderen Medien herausstellen.

Als Anschauungsobjekt für die Arbeit im Semester dient Alan Moores und Eddie Campbells Comicroman From Hell. Wir werden das umfangreiche Buch genau lesen (close reading) und auf seine Erzählstruktur und comicspezifischen Erzählmittel, Figurendarstellung, Stil und intertextuellen Bezüge hin untersuchen. Anschließend werden wir ausgewählte wissenschaftliche Aufsätze zu diesem Comic lesen und ihn im Licht dieser Erkenntnisse erneut lesen; dabei werden Themen wie das Populäre, das Motiv des Serienmords, serielle Publikationsformen, Großstadtdarstellung, genderspezifische Aspekte und anderes mehr aufgegriffen.

Abschließend werden die Verfilmung von From Hell durch die Brüder Hughes und, davon ausgehend, die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Medien Comic und Film betrachtet.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell (1989–98)

WS 2012/13

Alternative Comics (BA)

»Alternative Comics« sind Comics, die einen höheren künstlerischen Anspruch als »Mainstream Comics« haben und sich im Gegensatz zu diesen an ein erwachsenes Publikum richten. Meist erscheinen sie in kleinen Verlagen mit geringer Auflage. Ihr Erscheinen in den USA wird meist in die 1980er-Jahre datiert, als die Underground Comics von Robert Crumb und seinen Zeitgenossen seit Mitte der 60er den Weg gegen den Widerstand der freiwilligen Selbstkontrolle der etablierten Comic-Industrie geebnet hatten.

Analog zu dieser Erscheinung begannen Comickünstler auch in anderen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Japan, andere Wege zu gehen als die auf schnellen kommerziellen Erfolg ausgerichteten Großverlage. In dieser Veranstaltung soll ein breites Spektrum von Beispielen aus Amerika, Europa und Asien diskutiert und gelesen werden, wobei der Schwerpunkt auf außergewöhnlichen, teils experimentellen Comics liegen wird. Als theoretische Perspektive werden Pierre Bourdieus Überlegungen zum literarischen Feld herangezogen.

Semesterlektüre: Es wird ein umfangreicher Reader zur Verfügung gestellt. Das Programm umfasst Kurzcomics von Art Spiegelman, Harvey Pekar, Jaime Hernandez, Richard McGuire, Jacques Tardi, Yoshiharu Tsuge, Yoshihiro Tatsumi, Kiriko Nananan und Oji Suzuki. Daneben sollen umfangreichere Bücher gelesen werden: Dave McKean/Neil Gaiman: Violent Cases; Moebius: Arzach; Enki Bilal: Die Geschäfte der Unsterblichen; Lorenzo Mattotti: Feuer; Daniel Clowes: Like a Velvet Glove Cast in Iron; Anke Feuchtenberger: Die Hure H; Martin tom Dieck: Salut, Deleuze!

Die Architektur(en) des Comics (BA)

Batmans Gotham City, Donald Ducks Entenhausen, das kleine gallische Dorf, das New York der Watchmen oder das London von From Hell, Titel wie Fun Home, Gasoline Alley, Julius Knipl, Real Estate Photographer, The Building oder Die obskuren Städte – architektonische Räume haben immer eine große Rolle für den Comic gespielt. Dass man andererseits auch metaphorisch von der Architektur der Comicseite spricht, legt zusätzlich den Verdacht nahe, dass beide Kunstformen so einiges verbindet. Diesen vielfältigen Zusammenhängen soll im Seminar an ausgewählten Beispielen nachgegangen werden.

Semesterlektüre: Es wird ein Reader zur Verfügung gestellt.

SS 2012

Autobiographie im Medium Comic (BA)

Seit der Neukonjunktur der Autobiographie im Gefolge der Protestbewegung Mitte der 1960er Jahre hat dieses Authentizität verheißende Genre auch im Comic starke Verbreitung gefunden. Der Underground-Comic mit seiner Leitfigur R. Crumb, als Reaktion entstanden gegen die in den 1950er Jahren in den USA und Europa aufkommenden Zensurbestrebungen, die ›Erwachsenenthemen‹ wirksam verhinderten, entwickelte einen Drang zur Konfession bisher gesellschaftlich unterdrückter und schamhaft verschwiegener Triebregungen, durchaus im Sinne der historischen religiösen Ursprünge der Autobiographie. Später trat die Schilderung alltäglicher Vorgänge und Erlebnisse in den Vordergrund, bis Art Spiegelman in der Holocaust-Schilderung Maus (1986) mit der seine persönliche Beziehung zu seinen Eltern, beide Auschwitz-Überlebende, betonenden Publikumserfolg auf breiter Front einen Durchbruch auslöste.

Die Übung wird den vielfältigen Aspekten und Konzepten von Autobiographie im Medium Comic nachgehen, wobei sowohl amerikanische als auch europäische Beispiele herangezogen werden. Dabei werden am Anfang grundlegende Fragen der Gattung Autobiographie auch in der Literatur aufgeworfen und grundlegende theoretische Aufsätze zu diesem Thema gelesen und besprochen.

Seemsterlektüre: Es wird ein umfangreicher Reader zur Verfügung gestellt.

Graphic Novel (BA)

Graphic Novel ist eine seit einiger Zeit in Mode gekommene Bezeichnung für den Comic, um vom Schmuddelimage des Mediums wegzukommen und einen größeren Käuferkreis anzulocken, hierzulande etwa über die Website www.graphic-novel.de.

Das eine Annäherung an »seriöse« Medien wie die Literatur nahelegende Label kann zu Überlegungen zu Themen wie Kanon und ›high und low‹ anregen, aber auch zu gattungstheoretischen Fragen: Was zeichnet eine novel, also einen Roman eigentlich aus?, oder mediale: Kann man literaturtheoretische Kategorien umstandslos auf ein anderes Medium wie den Comic übertragen?

Neben der Diskussion dieser Fragen soll aber vor allem die gründlichere Lektüre zumindestens dreier Graphic Novels, preliminär verstanden als längere, abgeschlossene Comic-Texte, im Mittelpunkt der Seminararbeit stehen, um anhand dessen die medialen Besonderheiten der Kustform Comic herauszuarbeiten.

Semesterlektüre: Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell; Chris Ware: Jimmy Corrigan; Martin tom Dieck: Der unschuldige Passagier

WS 2011/12

Weltliteratur in Bildern – Comic-Adaptionen literarischer Werke (BA)

Adaptionen literarischer Werke finden sich im Medium Comic schon früh, vor allem aus pädagogischen Gründen (Reihe Classics Illustrated, 1941–69, in Deutschland bei Eltern als einzige geduldete Heftserie Illustrierte Klassiker). Auch heute noch wird die Comic-Form als Lesehilfe von Pädagogen gerne eingesetzt, aber zunehmend von Comic-Autoren auch als eigenständige künstlerische Leistung angesehen.

Wir werden in der Übung ausgewählte Beispiele dafür mitsamt ihren Vorlagen lesen und diskutieren, um die Eigenarten der Medien Literatur und Comic herauszuarbeiten. In Detailanalysen werden jeweils ausgewählte Szenen und ihre Adaption genauer unter die Lupe genommen.

Semesterlektüre: Peter Kuper: The Metamorphosis; Hideshi Hino: Bug Boy; Flix: Faust. Der Tragödie erster Teil; Posy Simmonds: Gemma Bovery

SS 2011

Manga alternativ – japanische Comics und ihre westliche Rezeption (BA)

Seit den 1990er Jahren hat der Manga seinen Siegeszug durch die westlichen Populärkulturen angetreten und ist seitdem zum globalen Kulturprodukt geworden. Die Unterscheidung von Comic und Manga jedoch, mit der wir eine substanzielle Exotik festzuhalten glauben, die vermeintliche Andersartigkeit des ›typischen Manga-Stils‹, verdankt sich in Wirklichkeit einem hybriden Amalgam aus östlichen und westlichen Einflüssen. Die Frage ist, ob der vermeintliche Blick auf eine fremde Kultur beim Mainstream der hierzulande bevorzugten Manga nicht einer Stereotypisierung aufsitzt, die Befremdung gar nicht erst zulässt, sondern geradezu ausblendet.

Die in dieser Übung vorgenommene Lektüre alternativer, in der westlichen Rezeption weniger beachteter japanischer Comics wird unter das Generalthema ›Fremde‹ gestellt werden. Die Erfahrung von Fremdheit (Alterität) kann als inhaltliches Element in narrativen Texten auftreten, kann aber auch als Empfindung bei der eigenen Lektüre begegnen, bei Szenen, die als irritierend fremdartig, verstörend oder gar abstoßend empfunden werden.

Die Unterscheidung von Eigenem und Fremdem steht meist im Dienste der Konstituierung von Identitäten, kultureller, nationaler oder auch individueller Natur. Die Frage ist, ob das Fremde dabei nicht immer ein Stück weit Teil des Eigenen ist, ob dies nicht nur eine genauere Auseinandersetzung mit der anderen Kultur, sondern auch mit der eigenen erfordert. Die interkulturelle Literatur- und Kulturwissenschaft, die sich mit Fremdbildern in den diversen Medien beschäftigt, wird damit auf ihre eigenen Voraussetzungen überprüft.

Semesterlektüre: Keiji Nakazawa: Barfuß durch Hiroshima (1973–75); Hideshi Hino: Bug Boy (1975); Kyoko Okazaki: River's Edge (1980–81); Suehiro Maruo: Der lachende Vampir (1998–99); Taiyo Matsumoto: Tekkonkinkreet (1998–2000)

WS 2010/11

Adaptionsprozesse in Comic, Literatur und Film (BA)

Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung soll einmal nicht die Literaturverfilmung, sondern die Adaptionsprozesse stehen, in deren Mittelpunkt die  ›graphische Literatur‹ (Comic, Graphic Novel) steht.

Dabei werden sowohl Adaptionen literarischer Texte im Comic zur Sprache kommen, als auch die zur Zeit immer noch im Höhenflug befindliche, bei der breiten Öffentlichkeit hoch im Kurs stehende Comicverfilmung.

Bei letzterer sollen allerdings nicht so sehr die beliebten Superheldenfilme im Mittelpunkt stehen, sondern Beispiele herangezogen werden, deren Vorlagen zum einen klar identifizierbar sind, die zum anderen aber auch eine anspruchsvollere Komplexität aufweisen und damit der Adaption größeren Widerstand bieten.

Ein Beispiel für den umgekehrten Weg (vom Film zum Comic) rundet das Programm ab.

Semesterlektüre: Peter Kuper: The Metamorphosis; David Mazzucchelli/Paul Karasik: Paul Auster’s City of Glass; Daniel Clowes: Ghost World; Harvey Pekar: American Splendor; Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen; Frank Miller: Sin City; John J. Muth: M

SS 2010

Autobiographie im Medium Comic (BA)

Seit der Neukonjunktur der Autobiographie im Gefolge der Protestbewegung Mitte der 1960er Jahre hat dieses Authentizität versprechende Genre auch im Comic starke Verbreitung gefunden. Der Underground-Comic mit seiner Leitfigur R. Crumb, als Reaktion entstanden gegen die in den 1950er Jahren in den USA und Europa aufkommenden Zensurbestrebungen, die ›Erwachsenenthemen‹ wirksam verhinderten, entwickelte einen Drang zur  Konfession bisher gesellschaftlich unterdrückter und schamhaft verschwiegener Triebregungen, durchaus im Sinne der historischen religiösen Ursprünge der Autobiographie deutbar (vgl. die durch eine repressive katholische Erziehung gekennzeichnete Kindheitsgeschichte Justin Greens, Binky Brown Meets the Holy Virgin Mary, 1972). Später trat die Schilderung alltäglicher Vorgänge und Erlebnisse in den Vordergrund (v.a. Harvey Pekar mit seiner ab 1976 erscheinenden Heftreihe American Splendor), bis Art Spiegelman in der Holocaust-Schilderung Maus (1986) mit der seine persönliche Beziehung zu seinen Eltern, beide Auschwitz-Überlebende, betonenden Publikumserfolg auf breiter Front einen Durchbruch auslöste.

Die Übung wird den vielfältigen Aspekten und Konzepten von Autobiographie im Medium Comic nachgehen, wobei sowohl amerikanische als auch europäische Beispiele herangezogen werden. Dabei werden am Anfang grundlegende Fragen der Gattung Autobiographie auch in der Literatur aufgeworfen werden und die umfangreiche theoretische Literatur zu diesem Thema anhand beispielhafter Aufsätze verschiedener Konzeptionen gelesen und besprochen werden.

Semesterlektüre: David B.: Die heilige Krankheit; Lynda Barry: One Hundred Demons

WS 2009/10

»Graphic Novels« (BA)

Gerne von Verlagen benutzt, um Comics aus dem Ghetto der Comicläden zu befreien und für den ›seriösen‹ Buchhandel hoffähig zu machen, wurde die Bezeichnung Graphic Novel in den 1960er und 1970er Jahren von Autoren lanciert, die ihre Werke vom Comic-Mainstream der Super- und knollennasigen oder schnabelbewehrten Helden absetzen wollten, derart ernsthafte und ›erwachsene‹ Inhalte signalisierend.

Im Zentrum dieser Übung steht die eingehende Lektüre dreier zentraler, umfangreicher ›grafischer Romane‹ (Human DiastrophismFrom Hell und Jimmy Corrigan: The Smartest Kid on Earth [2000]), anhand derer die durch die Genrebezeichnung versprochene literarische Qualität überprüft werden soll. Unter anderem werden dabei Phänomene wie die Unterschiede von bildlicher und sprachlicher Darstellung und ihre Verschränkung im Comic-Bild (panel), die Beziehung des Comic zum Roman (und dessen Gattungsgeschichte), Populärliteratur, Serialität, Intertextualität und Intermedialität zur Sprache kommen.

Begleitend werden Aufsätze theoretischer und analytischer Natur gelesen und diskutiert, die durch kurze Teilnehmerreferate vorgestellt werden sollen.

Semesterlektüre: Gilbert Hernandez: Human Diastrophism (1989); Alan Moore/Eddie Campbell: From Hell (1989–98); Chris Ware: Jimmy Corrigan: The Smartest Kid on Earth (2000)

SS 2009

Text-Bild-Fusion im Comic (BA)

Ein in vielfältiger Weise Text und Bild verbindendes Medium, von der einschlägigen Forschung bislang wenig beachtet, liegt im Comic vor. Das Seminar nimmt seinen Ausgangspunkt in der Lektüre hauptsächlich amerikanischer Zeitungsstrips vom Beginn des 20. Jh.s und geht dann über zu Beispielen ›alternativer‹, d.h. eben nicht zum Genre der »Funnies« (wie Asterix oder Mickey Mouse) oder der Superhelden-Comics gehöriger Art. Daneben werden wissenschaftliche Forschungsbeiträge zum Thema gelesen und diskutiert.

Semesterlektüre: Sascha Hommer: Im Museum; Ben Katchor: Julius Knipl; Max: Bardín der Superrealist

WS 2008/09

»Grafische Literatur«

Aus kulturwissenschaftlicher und interdisziplinärer Perspektive hat die Untersuchung von Bildergeschichten und Comics einen besonderen Reiz, auch wenn sie in der deutschsprachigen Forschung bislang eher stiefmütterlich behandelt wird.

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren entstanden außerhalb des kommerziellen Mainstreams (Superhelden, "Funnies" wie Micky Maus oder Asterix) zunehmend häufiger Werke, oft als "Graphic Novels" bezeichnet, von individuellen Autoren oder einem Team aus Szenarist und Zeichner, die nicht mehr rein unterhaltende Stoffe zum Vorwurf haben und sich an ein erwachsenes Publikum richten. Beispiele dieser Spielart aus den USA, Frankreich und Deutschland, ev. auch Japan sollen in dieser Übung gelesen und von verschiedenen Ansatzpunkten aus untersucht werden. Abgerundet wird dies durch die Lektüre und Besprechung wissenschaftlicher Forschungsliteratur zum Comic.

Semesterlektüre: Moebius: Die hermetische Garage; Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen; Jaime Hernandez: »The Death of Speedy Ortiz« (aus Love and Rockets); Baru: Autoroute du soleil; Marc-Antoine Mathieu: Der Ursprung; Anke Feuchtenberger: Die Hure H; Martin tom Dieck/Jens Balzer: Salut, Deleuze!; Daniel Clowes: David Boring

SS 2008

Comics und Comicforschung (MA)

Die Kunstform Comic wird von den Literaturwissenschaften bislang wenig beachtet, obwohl sie durch ihre Kombination aus Bild und Sprache eine Narration eigener Art erzeugt, die für die Texte untersuchenden Disziplinen ebenso interessant sein sollte wie der Film. In dieser Veranstaltung werden Ansätze zur wissenschaftlichen Analyse von Comics anhand von Aufsätzen und Monographien gemeinsam erarbeitet und ausgewählte neuere Beispiele gelesen.

Semesterlektüre: Peter Kuper: Metamorphosis; Martin tom Dieck: Der unschuldige Passagier; Jens Balzer/Martin tom Dieck: Salut, Deleuze!

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