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Eigennamenkomposita im Deutschen (DFG-Projekt)

DFG-Projekt zu komplexen Nominalphrasen mit Eigennamen im Deutschen und im deutsch-niederländisch-englischen Sprachvergleich aus synchroner und diachroner Sicht

Zentraler Untersuchungsgegenstand des Projekts sind Eigennamenkomposita im Deutschen. Diese werden im Sprachvergleich mit dem Niederländischen und Englischen aus diachroner und synchroner Perspektive betrachtet.

Zu den Eigennamenkomposita gehören u.a. lexikalisierte Bildungen wie Röntgenstrahlen, Riesterrente oder Mozartkugel, bei denen das Erstglied als Namensgeber fungiert. Besonders frequent in der Gegenwartssprache sind (meist okkasionelle) Formen wie Götze-Wechsel oder Obama-Regierung. Sie sind häufig, aber nicht ausschließlich in der Pressesprache zu finden, wie folgende Beispiele aus der ,Zeit' vom Oktober 2016 zeigen:

(1) Marmite-Mangel bringt Briten in Rage

(2) Das berühmteste Merkel-Zitat ist der Satz "Wir schaffen das".

Im Projekt werden Eigennamenkomposita unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht. Der erste betrifft ihre diachrone Herausbildung. Im Gegensatz zu anderen Arten der nominalen Komposition (etwa der Nomen-Nomen- oder der Adjektiv-Nomen-Komposition) scheint die Eigennamenkomposition insgesamt ein recht junges Wortbildungsmuster zu sein, das sich vermutlich in frühneuhochdeutscher Zeit herausbildet. Über die genaue Entstehung ist bisher jedoch wenig bekannt.
Der zweite Punkt betrifft die Annahme, dass dieses Wortbildungsmuster seit dem 20. Jahrhundert besonders frequent geworden ist und möglicherweise im Gebrauch noch immer zunimmt. Hier stellt sich insbesondere die Frage, inwieweit diese aktuelle Entwicklung auch ein Resultat des Sprachkontakts mit dem Englischen ist. In diesem Zusammenhang sollen vergleichend auch niederländische Eigennamenkomposita betrachtet werden, da das Niederländische mutmaßlich ebenfalls einem Einfluss des Englischen unterliegt.

Drittens sind Eigennamenkomposita zum Teil bedeutungs- und verwendungsäquivalent zum Genitiv (vgl. Schlücker 2016b, im Druck). und anderen syntaktischen Konstruktionen. So kann das Kompositum Merkel-Zitat in (2) problemlos durch Zitat Merkels oder Zitat von Merkel ersetzt werden. Eine solche Äquivalenz zwischen Komposita und syntaktischen Konstruktionen besteht jedoch nicht generell. Verschiedene Beobachtungen weisen darauf hin, dass bestimmte Arten von Eigennamenkomposita einen besonderen grammatischen Status als „Zwitter“ zwischen Wortbildung und syntaktischen Konstruktionen haben.

Auf der Grundlage von Korpusdaten sollen daher die semantisch-funktionalen und morphosyntaktischen Eigenschaften dieser Komposita in der Gegenwartssprache analysiert werden. Aus grammatiktheoretischer Perspektive können Eigennamenkomposita als exemplarische Fallstudie in Hinblick auf das Verhältnis von Morphologie, Syntax und Lexikon diskutiert werden. Über den engeren Untersuchungsgegenstand der Eigennamenkomposition hinaus werden im Projekt aber auch andere Nominalkonstruktionen mit Eigennamen berücksichtigt. Dahinter steht u.a. die Überlegung, dass Konstruktionen wie der Genitiv, Präpositionalphrasenkonstruktionen oder Appositionen und ihre spezifischen Bildungsrestriktionen möglicherweise auch eine Rolle bei der Herausbildung der Eigennamenkomposita gespielt haben.

Die seit Beginn des Projekts gesammelten umfangreichen Korpusdaten lieferten bereits einige Annäherungen an einige Teilfragen. Schlücker (2016a) untersucht die graphematischen, morphosyntaktischen und semantischen Eigenschaften des Wortbildungsmusters. Untersucht wurden u.a. die häufige Bindestrichschreibung, das Verfugungsverhalten, die zugrundeliegenden onymischen Klassen sowie die semantischen Relationen zwischen den beiden Konstituenten der Komposita. Dabei zeigen sich in Bezug auf diese Eigenschaften in vielerlei Hinsicht grundsätzliche Unterschiede zwischen Eigennamenkomposita einerseits und der Gruppe der Nominalkomposita mit appellativischem nominalen Erstglied, der die Eigennamenkomposita üblicherweise (implizit oder explizit) zugerechnet werden. Die Studie argumentiert daher für eine Klassifizierung der Eigennamenkomposition als eigenständigem Subyp der nominalen Komposition

Weitere Informationen: Projektbeschreibung in der GEPRIS-Datenbank der DFG

Beteiligte Mitarbeiterinnen:


Veranstaltungen im Rahmen des Projekts:

Workshop on Proper Names and Morphosyntax, FU Berlin, 5.-7.11.2015


Veröffentlichungen zum Thema:

  • Barbara Schlücker & Tanja Ackermann (Hrsg., in Vorbereitung): The Morphosyntax of Proper Names. Special Issue von Folia Linguistica. Erscheint 2017.
  • Johannes Helmbrecht, Damaris Nübling & Barbara Schlücker (Hrsg., im Druck): Namengrammatik. Sonderheft Linguistische Berichte. Erscheint 2016.
  • Schlücker, Barbara (2016a, im Druck): „Eigennamenkomposita im Deutschen“. In: J. Helmbrecht, D. Nübling & B. Schlücker (Hrsg.): Namengrammatik. Sonderheft Linguistische Berichte.
  • Schlücker, Barbara (2016b, im Druck): „Genitives and Proper Name Compounds in German“. In: T. Ackermann, H. Simon & Ch. Zimmer, Germanic Genitives. Benjamins (= Studies in Language Companion Series).
  • Schlücker, Barbara (2014): Grammatik im Lexikon. Adjektiv-Nomen-Verbindungen im Deutschen und Niederländischen. Berlin, Boston: De Gruyter (= Linguistische Arbeiten 553).
  • Schlücker, Barbara (2013): "Non-classifying compounds in German". Folia Linguistica 47.2, 449-480.

Vorträge zum Thema:

  • Barbara Schlücker: Eigennamenkomposita – ein englisches Wortbildungsmuster im Deutschen und Niederländischen? Wortbildung – historisch, mehrsprachig, kontrastiv, Universität Luxemburg, 13.10.2016.
  • Barbara Schlücker: Zur diachronen Entwicklung deonymischer Substantiv- und Adjektivkomposita im Deutschen (mit Petra Vogel). Mainzer Namentagung 2016: Linguistik der Eigennamen, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, 11.10.2016.
  • Barbara Schlücker: Deonymische Adjektiv- und Substantivkomposita (mit Petra Vogel). Wörter. Wortbildung, Lexikologie und Lexikographie, Etymologie (GGSG-Jahrestagung), Leipzig, 22.09.2016.
  • Barbara Schlücker: Proper name compounds: morphosyntactic and semantic properties. 49th Annual Meeting of the Societas Linguistica Europaea (SLE 2016), Neapel, 31.08.2016.
  • Barbara Schlücker: Proper name compounding in a contrastive perspective. 10th Mediterranean Morphology Meeting, University of Haifa, 09.09.2015.
  • Barbara Schlücker: Deonymische Wortbildung im Sprachvergleich. Gastvortrag, Universität Leipzig, 23.06.2015.
  • Barbara Schlücker: Proper noun compounding in West-Germanic. A contrastive view. A Germanic Sandwich 2015: Comparative linguistic conference, University of Nottingham, 25.04.2015.
  • Barbara Schlücker: Namen und Wortbildung: Eigennamenkomposita im Deutschen und im Sprachvergleich. Linguistisches Kolloquium "Mehr als Schall und Rauch: Die Linguistik der Namen", Universität Bremen, 12.02.2015.
  • Barbara Schlücker: Eigennamenkomposita und Genitive. Workshop 'Germanic Genitives', Freie Universität Berlin, 22.-24.05.2014.
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