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Das Phänomen der Textsammlung in Sammelkodizes der deutschen geomantischen Fachliteratur des 15. Jahrhunderts“

Marco Heiles

seit April 2012: Promotionsstipendiat im Graduiertenkolleg des SFB 950 "Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa" an der Universität Hamburg.

Der Literaturbegriff der germanistischen Mediävistik ist ein sehr weiter. Er umfasst nicht nur poetische Texte, sondern auch pragmatisches Schrifttum, welches sogar den Hauptteil der mittelalterlichen Textüberlieferung ausmacht. Doch lag diese Literatur, trotz ihrer Bedeutung für den Prozess der Verschriftlichung der Volkssprache, lange Zeit nicht im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung. Eine relativ klar abgrenzbare Gruppe, die fachliterarischen Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, sind bis heute nicht ediert, nicht einmal katalogisiert. Das hat seine Ursache z.T. in den Texten selbst, die nicht über die traditionellen Kategorien Werk und Autor beschreibbar sind. Noch stärker als andere Texte des Mittelalters unterliegen sie der Variation, sind als „unfeste“ oder „offene Texte“ ohne fixen Wortlaut anzusehen und haben somit keinen Werkcharakter. Die zumeist kleineren und kleinsten Texte tragen überdies in der Regel keine Verfassersignatur und sind zumeist in Sammelhandschriften überliefert, die keine klare Trennung von Texteinheiten aufweisen. Da also die traditionellen logozentrischen Verstehens- und Klassifizierungsmuster der Literaturwissenschaft auf diese Texte genauso wenig anwendbar sind wie die klassische Textkritik, müssen wir uns auf die materiellen Befunde, also die Handschriften selbst, konzentrieren.

In meinem Dissertationsprojekt gehe ich deshalb von den Sammelkodizes aus und versuche nachzuvollziehen, wie diese Textsammlungen funktionieren und wie es zu einem solch großen Variantenreichtum kommen kann, um dann neue Kategorisierungsmöglichkeiten für diese Texte zu erarbeiten. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welches Textverständnis den Handschriften zugrunde liegt. In diesem Zusammenhang untersuche ich, wie die mittelalterlichen Schreiber in ihrer Abschreibepraxis mit Texteinheiten umgegangen sind, und auf welche Weise das Material von den Zeitgenossen rezipiert wurde.

Dabei gehe ich exemplarisch vor und konzentriere mich auf ein Korpus von sechs Sammelhandschriften, die geomantische Traktate in zum Teil abweichenden Varianten und eine Anzahl kürzerer Texte unterschiedlicher Thematik enthalten. Diese Überlieferungszeugen sollen in Form einer digitalen Edition in XML-TEI erfasst werden. Über Beschreibungskategorien auf einer Metaebene soll versucht werden, das dahinterliegende Textgeflecht freizulegen.

Mein Korpus besteht aus den folgenden Handschriften:

 

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