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Transformationen – Untersuchungen zur Neidhartrezeption im Spätmittelalter

Frauke Fechner

Seit April 2012: Promotionsstipendiatin im Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion" (GRK 1678) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Neidhart ist ein „Gattungs- und Medienwechsler par excellence“ (Elisabeth Keller: Inversion des Veilchens. In: A. Schwarz/L. A. Lüscher (Hgg.): Textallianzen. Bern 2003, S. 333–350, hier S. 333). Im 13. Jahrhundert taucht Neidhart als Autorname in Liederhandschriften auf, in später überlieferten Liedern, sogenannten Schwankliedern, agiert Neidhart als listiger Held, und schließlich werden einige Lieder im Medium des Drucks zu einer Biographie mit dem Titel ‚Neithart Fuchs‘ kompiliert. Eine vollständige Transformation vom Sänger zur literarischen Figur zeigt sich in den Neidhartspielen, weltlichen Spielen des 14.–16. Jahrhunderts, die nicht nach ihrem vermeintlichen Produzenten, sondern nach dem Protagonisten benannt sind und zu denen zahlreiche Aufführungsbelege existieren. Neben der schriftlichen Überlieferung bezeugen diverse ikonographische Dokumente (Fresken, Sandsteinreliefs, Holzschnitte) die Popularität der Neidhartfigur im Spätmittelalter.

Die mediävistische Forschung hat dieser vielgestaltigen, produktiven Aneignung (Rezeption) der frühen Neidhartlieder bislang nur punktuell Beachtung geschenkt. Dabei eignet sich die Neidhartrezeption durch den Reichtum der Überlieferung in unterschiedlichen Medien hervorragend, um aktuelle kulturwissenschaftliche Probleme zu diskutieren, Prozesse der Transformation zu verfolgen und die Interdependenz von durativen (Schrift/Bild) und transitorischen Medien (Performance) zu untersuchen.

Im Mittelpunkt meiner Dissertation steht das Verhältnis von materieller Überlieferung in Text und Bild zur Aufführung. Welche Indizien für Perfomance bieten die Liedtexte, die Spieltexte, die Aufführungsbelege und die ikonographischen Dokumente? Lassen die überlieferten Texte überhaupt wesentliche Unterschiede zwischen den Aufführungsformen ‚Lied‘ und ‚Spiel‘ erkennen? Kalkulieren die Lied- und Spieltexte situative Aktualisierungen ein? Welche Transformationen der Neidhartfigur finden im Medienwechsel von Lied, Spiel und Bild statt? Diese Fragen sollen vor allem im Hinblick auf die zentralen Motive der Neidhartrezeption – Tanz, Gewalt und (Ver)Kleidung – geklärt werden.

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