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Literatur der Migration - Migration der Literatur

Symposium zur Gegenwartsliteratur

Einführung | Programm

Einführung

Der Begriff der Nationalliteraturen hat sich nicht erst in den letzten Jahren im Zuge der Globalisierungsdebatte und der postcolonial studies gewandelt. Der Blick auf die Geschichte der Literatur zeigt, dass sie schon immer von kulturellen und sprachlichen Grenzüberschreitungen gelebt und profitiert hat. Erst die Entstehung der Nationalliteraturgeschichten im 19. Jahrhundert hat die Vorstellung zementiert, dass literarische Texte und ihre Autoren einer Nation und einer Literatur angehören, unabhängig von der Tatsache, dass bilinguale Autoren durchaus gleichberechtigt in mehreren Sprachen geschrieben und publiziert haben.
Die Untersuchungen zur postkolonialen Literatur, die seit den 1980er Jahren, vor allem von dem Anglisten Homi K. Bhabha, einem gebürtigen Inder, vorgelegt wurden, haben die Frage nach den Grenzen nationaler Zuschreibungen von Literatur neu aufgeworfen. Bhabhas These, dass Kultur immer hybrid sei, das heißt Spuren vieler Sprachen, Kulturen und Literaturen aufweise, lässt sich insbesondere an den Texten solcher Autoren und Autorinnen verfolgen, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben, sondern - aus politischen und/oder ästhetischen Gründen - die Sprache des Landes wählen, in dem sie leben.
Ungeachtet der zunehmenden Aufmerksamkeit, welche die Migrationsliteratur in den letzten Jahren erfahren hat, wird ihr in den nationalen Literaturgeschichten immer noch kein adäquater Platz eingeräumt. Gerade jedoch in der Vermittlung von Literatur an Universitäten durch Dozenten und (Fremdsprachen-)Lektoren und an öffentlichen Kulturinstitutionen fallen Grenzen eines Nationalliteraturbegriffs zunehmend auf: Der Literatur der Migration als Grenzraum zwischen Sprachen und Kulturen kommt nach und nach eine größere Aufmerksamkeit zu. Und damit einher geht zugleich die Frage, welche Rolle die Literaturvermittlung bei der Erweiterung des Literaturverständnisses jenseits nationaler und kultureller Grenzen spielt.
Das Symposion zur Literatur der Migration - Migration der Literatur hat sich zum Ziel gesetzt, diese Verschiebungen des (National-)Literaturbegriffs in Skandinavien, insbesondere in Schweden, und in Deutschland an einzelnen Beispielen zu untersuchen und zu diskutieren. Die Frage der Literaturvermittlung im Kontext der Grenzauflösungen ist dabei von zentraler Bedeutung. Die Lesungen der kroatischen Autorin Slavenka Drakulic, die seit vielen Jahren in Österreich und in Schweden lebt und die für ihre Dokumentation über die Verbrechen im Balkankrieg Keiner war dabei mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnet wurde, und des langjährigen schwedischen Ostreuropa-Korrespondenten Richard Swartz, dessen Erzählband Room Service weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt wurde, reflektieren die Auflösung von Nationalstaaten in Osteuropa und die Reaktion in Europa auf Grenzverschiebungen. Die Geschichte, Perspektiven und Chancen der literarischen Migrationen sollen von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, Vertreterinnen und Vertretern von Kulturinstitutionen und den In- und Auslandsphilologien an den Universitäten verhandelt werden.


Wir danken den Verantwortlichen von Riksbankens Jubileumsfond, Svenska institutet und der Schwedischen Botschaft für die freundliche Unterstützung dieser Tagung.

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