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Luzie Lorentz: Das Kom(m)ödchen

Beitrag in der Reihe "Engagiert!" - Studierende stellen ihre Projekte vor

Das Kom(m)ödchen
Theater während der Corona-Krise

Theater und allgemein Kulturschaffende mussten sich im letzten Jahr vielen Herausforderungen stellen. Ich arbeite, neben meinem Germanistikstudium an der Uni Bonn, in einem kleinen Kabaretttheater in Düsseldorf, dem Kom(m)ödchen. Meine Großeltern Kay und Lore Lorentz haben das Theater im Jahr 1947 gegründet. Heute sind meine Eltern Elke und Kay LorentzGeschäftsführerin und Geschäftsführer der Kleinkunstbühne. Seit Dezember kümmere ich mich um die Social-Media-Kanäle des Kom(m)ödchens. Außerdem war ich die Regieassistentin für unsere neue Produktion „Crash. Ein Drama in vier Fenstern“. Das neue Stück ist aus einer noch nie dagewesenen Situation entstanden und versucht einen regelmäßigen Spielbetrieb unseres Theaters zu ermöglichen. Dieses spannende Projekt möchte ich gerne vorstellen.

Als Regieassistentin fungierte ich als Schnittstelle zwischen Produktion, Technik, den Künstler*innen, Kostüm, Bühnenbild und Regie. Das konnte zwar manchmal sehr zeitintensiv und stressig sein, ist es aber allemal wert, dafür dass man ein Theaterstück bei der Entstehung begleiten darf. Aufgrund der Pandemie gestalteten sich die Probenzeit ganz anders als in den Jahren zuvor: Proben mit Masken und Abstand, ständigem Lüften und regelmäßigen Schnelltests. Mal auf der Bühne, mal im großen Garten eines Kollegen und mal per Videokonferenz. Geprobt wurde fast jeden Tag bis zur Premiere im Livestream am 13. Mai. Ich engagiere mich für das neue Stück, da es genau das fördern soll, woran es uns allen gerade fehlt: Austausch und Beisammensein mit unseren Mitmenschen, wenn auch nur digital bis wir am 18. Juni wieder das Theater öffnen dürfen.

Zum Kom(m)ödchen

Das Kom(m)ödchen ist eines der ältesten Privattheater des Landes. Es wurde zwei Jahre nach Kriegsende von Kay und Lore Lorentz im Hinterzimmer einer Düsseldorfer Altstadtkneipe gegründet. Seit Beginn 1947 hat es sich dem Thema Kabarett und Comedy verschrieben. Das Kom(m)ödchen hat bis auf ein einziges Jahr Unterbrechung immer ein eigenes Ensemble betrieben. Dieses bestand mal aus zwei, maximal aus fünf Leuten. Teil des Ensembles waren, im Laufe der Jahre, viele Berühmtheiten, wie z.B. Harald Schmidt, Thomas Freitag, Anka Zink und Volker Pispers. Neben den eigenen Ensembleproduktionen, treten im Kom(m)ödchen auch viele Gastkünstler*innen auf, unter anderem Wilfried Schmickler, Lisa Eckhart, Christian Ehring, Tobias Mann oder Jürgen Becker. Das Kom(m)ödchen ist ein Privattheater und erhält keine öffentlichen Subventionen. Das kleine Theater mit gerade mal 200 Plätzen lebt allein von den Ticketverkäufen.

Zum Stück „Crash. Ein Drama in vier Fenstern“
Seit der Pandemie kämpfen viele Privattheater ums Überleben. Das Kom(m)ödchen war jetzt, wie fast alle Kultureinrichtungen, über ein Jahr lang geschlossen. Alle Angestellten mussten weiterbezahlt werden und trotz Kurzarbeit ist das natürlich für ein nicht subventioniertes Theater keine leichte Aufgabe. Nicht nur die finanziellen Unsicherheiten sind belastend für Haus und Mitarbeiter*innen. Unsere engagierten Schauspieler*innen und Autoren waren auch extrem unruhig.
Aus dieser Unruhe und Ungeduld entwickelte sich zum Glück Motivation. Mit viel Kreativität und Spaß haben wir einen völlig neuen Weg gefunden, wie wir endlich wieder für unser Publikum spielen dürfen. Deswegen ist während einer der schwersten Krisen, der sich das Land, sogar die ganze Welt stellen muss, ein neues Programm entstanden. Mit „Crash. Ein Drama in vier Fenstern“ geht das Kom(m)ödchen neue Wege: Ein Programm, das erstmalig live auf der Bühne und im Stream zu sehen sein wird.

„Crash“ ist eine der aufwändigsten Produktionen, die das Kom(m)ödchen bisher gestemmt hat. Das neue Stück ist ein Hybrid-Programm. Ein Programm, das ab der Wiedereröffnung am 18. Juni live im Kom(m)ödchen, aber auch weiterhin immer im Stream angeschaut werden kann. „Crash“ ist nicht einfach abgefilmtes Kabarett, sondern eine neue Form, die sowohl Online als auch auf der Bühne funktioniert. Auf der Bühne wird eine Videokonferenz nachgestellt, aber mit allen Mitteln, die das Theater leisten kann und die wir am Theater so lieben.
Ein ausführliches Interview mit Bühnenbildnerin Helga Schmelz über unser ungewöhnliches Bühnenbild findet ihr hier: https://www.kommoedchen.de/aktuelles/interview-mit-buehnenbildnerinhelga-schmelz/

Die Story
Und darum geht es in dem Stück: Vier Geschwister, eine Videokonferenz und ein kleiner Anlass: Ein Geschenk für die gemeinsamen Eltern soll organisiert werden. Doch was wie eine leichte Aufgabe klingt, entwickelt sich zum rasanten, aktuellen, musikalischen und urkomischen Konfrontationskurs. Frontal crashen vier komplett unterschiedliche Charaktere und Lebensentwürfe aufeinander und zeigen, was mit einer Gesellschaft passiert, in der sich jeder in seiner eigenen Denkblase einrichtet. Das neue Programm zeigt, wie sich in unserer digitalen Welt eine Gesellschaft zerlegen kann durch Wut, Missverständnisse und Eskalation. Und es wird vor allem gezeigt, wie die Kraft des Theaters hilft, eine gespaltene Gesellschaft wieder zusammen zu bringen. Den Spielplan, weitere Infos und Tickets gibt es unter www.kommoedchen.de
Insta: @kommoedchen_duesseldorf
FB: @kommoedchen

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