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Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Erben

Das Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft trauert um Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Johannes Erben, der am 21. Januar 2023 im Alter von 98 Jahren verstarb. Wir verlieren mit ihm einen geschätzten langjährigen Kollegen und herausragenden Wissenschaftler, dessen Bekanntheit weit über den deutschen Sprachraum hinausreicht.

Seine wissenschaftliche Karriere begann Johannes Erben an der Humboldt-Universität zu Berlin und bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Als Abteilungsleiter und später Direktor des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Akademie arbeitete er von 1949 bis 1959 am Grimm’schen Wörterbuch und übernahm von 1959 bis 1965 die Leitung der Abteilung ‚Frühneuhochdeutsch und Neuere Sprachgeschichte‘. Von 1965 bis zu seinem Ruf an die Universität Bonn war er Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Innsbruck.

In seiner Innsbrucker Zeit leitete Johannes Erben das DFG-Projekt „Deutsche Wortbildung“ des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim (Außenstelle Innsbruck). Bereits 1958 publizierte er den „Abriß der deutschen Grammatik“, mit dem er einen Aufsehen erregenden Neubeginn der germanistischen Grammatikschreibung einleitete.

An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn hatte Johannes Erben (als Nachfolger von Hugo Moser) in den Jahren 1979 bis 1990 den Lehrstuhl für Deutsche Sprache und ältere Literatur (unter Einschluss des Niederländischen) inne.

Ein Schwerpunkt in der Lehre war für Johannes Erben die empirische Erforschung der Varietäten der deutschen Sprache in Literatur, Wissenschaft und im alltäglichen Gebrauch. In seinen Seminaren vermittelte er unter anderem auch den Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Positionen seiner Kolleginnen und Kollegen aus der DDR, die er in einem Symposion anlässlich seiner Emeritierung im Jahr 1990 wieder persönlich begrüßen konnte. Einer seiner Forschungsschwerpunkte war die Sprache Martin Luthers. Auf Grund seiner Kompetenzen im Bereich des Frühneuhochdeutschen wurde er als Fachberater bei der Revision der Lutherbibel von 1984 hinzugezogen.

1961 wurde Johannes Erben Mitglied der Philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. 1985 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Innsbruck.

Die Angehörigen des Instituts für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Bonn werden Herrn Professor Johannes Erben in ehrendem Gedächtnis behalten.
 

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