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Neu bewilligtes DFG-Graduiertenkolleg „Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses“

Die Beschäftigung mit Gegenwartsliteratur hat derzeit Konjunktur. Die Frage, was Gegenwartsliteratur sei, wird allerdings primär als Frage nach den Grenzen einer Epoche verstanden. Die Analyse des Gegenstands ‚Gegenwartsliteratur‘ in seiner Historizität und seinen praktischen Voraussetzungen steht hingegen aus. Das Graduiertenkolleg zielt daher auf die Erforschung der konstitutiven Dimensionen des Konzepts ‚Gegenwartsliteratur‘ und analysiert diese vergleichend. Statt die Begriffe ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘ vorauszusetzen, soll nach den Prämissen ihrer Hervorbringung gefragt werden. Das historische Konzept ‚Gegenwart‘ ist ebenso in seiner Kontingenz zu begreifen wie die diskursive und praktische Erzeugung der Beziehung zwischen ‚Literatur‘ und ‚Gegenwart‘. Das Kolleg erarbeitet eine Geschichte der Aktualisierung, Trans-formation und Legitimation der Engführung von ‚Gegenwart’ und ‚Literatur’ und trägt so zur Grundlegung einer historisch und theoretisch reflektierten Gegenwartsliteraturforschung bei.

Der Komplex ‚Gegenwart/Literatur’ ist in vier Fragen aufzuschlüsseln:

1) muss untersucht werden, wie Konzepte der Gegenwart entstehen bzw. in welchen Formen sie diskursiv reflexiv werden und wie dies mit Zeitkonzepten sowie mit sozialen und medialen Voraussetzungen zusammenhängt.

2) gilt es, die historische Semantik des Begriffs ‚Gegenwartsliteratur’ in kulturell vergleichender Perspektive zu analysieren und zu fragen, wie literarische Texte auf ‚Gegenwarten’ referieren können.

3) soll wissenschafts-, und institutionshistorisch sowie praxeologisch nach den Konjunkturen von Gegenwartsliteraturforschung gefragt werden.

4) ist praxeologisch zu erforschen, wie Gegenwartsliteratur in ihren Institutionen kooperativ generiert und prozessiert wird. Immer sind dabei jene Topoi, Metaphern und Figuren sowie die Regularien, Praktiken und Operationen zu analysieren, die ‚Gegenwartsliteratur’ und den jeweiligen gegenwartsliterarischen Diskurs konstituieren.

Das Qualifizierungs- und Betreuungsprogramm bindet Promovend*innen und Postdoktorand*innen systematisch in einschlägige literatur- und kulturwissenschaftliche Diskussionen ein, fördert ihre Forschung in einem anspruchsvollen Forschungsumfeld und legt zugleich einen Schwerpunkt auf praxeologisch reflektierte Kontakte zur sowie Kooperationen mit der Berufspraxis in all jenen Feldern, in denen ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur’ produziert werden, um Berufsqualifizierung und -entscheidung der Promovend*innen zu verbessern.

Die Stellenausschreibungen finden Sie für die Promotionsstellen hier und für die Postdocstelle hier.

Darüber hinaus gibt es weitere sechs unfinanzierte Promotionsmöglichkeiten.

Informationen zum Forschungsprogramm und zu den Beteiligten finden Sie unter: grk2291.uni-bonn.de 

 

Academic research on contemporary literature is experiencing a boom. However, when asked to define contemporary literature, scholars commonly characterize it as a certain period. Neither its historical nor its practical dimensions have as yet been analyzed. The aim of the graduate school is therefore to investigate the constitutive elements of the concept of ‘contemporary literature’ in a comparative perspective. Instead of taking such terms as ‘contemporaneity’ and ‘contemporary literature’ for granted, the conditions of their emergence will be examined. The concept of ‘the contemporary’ as well as discourses and practices that establish a relationship between literature and its respective ‘present’ will be understood to be historically contingent. Thus, the graduate school will reconstruct a history of producing, legitimizing, and transforming interconnections between ‘the present’ and ‘literature’, thereby laying the groundwork for a theoretically and historically informed criticism of contemporary literature.
The complex ‘contemporary/literature’ will be explored from four different vantage points: 1) the emergence of variant concepts of ‘the present’/‘the contemporary’ and their involvement with philosophical ideas of time as well as their medial and social set-tings will be examined. 2) the semantics of the term ‘contemporary literature’ will be traced in its historical and (inter-)cultural transformations, thereby taking into account the question of how (and since when) literary texts refer to contemporary issues. 3), the study of contemporary literature within the institutions of academic scholarship will be analyzed from a historical and praxeological perspective. 4), within a praxeological framework, the question will be raised how the institutions of the literary world (publishers, newspapers, agencies, archives, academies, jurys etc.) collaboratively construct the entity of contemporary literature. In all these areas, the topoi, tropes, practices and formalities that constitute the discourse of contemporary literature are to be identified.
The graduate school will operate on the basis of a carefully crafted program of qualification and supervision. It aims to enable its doctorate and post-doctorate members to participate in advanced scholarly discussions and to work out their individual research projects in a stimulating cross-disciplinary environment. Particular emphasis will be laid on negotiating contacts to the practical sphere of the literary world, in order to qualify participants not only for academic careers but also for professions in the business of literature.

 

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